Zehn klassische, berührende übernatürliche Geschichten - Kapitel 4
Jetzt verstehe ich, er ist Zifan.
---Fisch und Garnelen
Antwort [14]: Das graue und spärliche Haar, die sich kreuzenden Falten auf der Stirn zeugen von den vergangenen Jahren, die leicht gebeugte Taille und die faltigen Hände mit hervortretenden Adern.
Plötzlich füllten sich meine Augen mit Tränen, ein Gefühl, das ich nie zuvor gekannt hatte. Ich wandte den Kopf zum Fenster, versuchte, ihn nicht anzusehen, und sagte: „Zifan.“ Meine Stimme klang so hohl, dass ich selbst erschrak.
Der alte Mann lächelte, seine Freude unfähig zu verbergen. „Ich wusste, dass du zurückkommen würdest, Jinjie. Ich habe auf dich gewartet! Sieh nur, ich habe meine Adresse nicht geändert, weil ich Angst hatte, dass du mich nicht finden würdest; ich habe die Schlösser nicht ausgetauscht, weil ich Angst hatte, dass du nicht hineinkommen würdest; alles in diesem Haus ist unverändert. Hier zu leben fühlt sich an, als wärst du immer noch an meiner Seite!“
Der Nebel in den Augen der Fee verdichtete sich. „Du hast auf mich gewartet? Warum?“
Der alte Mann hustete vor Freude und sagte, nachdem er wieder zu Atem gekommen war, hastig: „Du hast gesagt, wenn ich deine weißen Lippen wieder rot färben könnte, würdest du an meine Aufrichtigkeit glauben!“
Wirklich? Zifan, du erinnerst dich noch? Du erinnerst dich nach all den Jahren immer noch?
Die Fee verstand endlich, was Tränen waren; die heiße Flüssigkeit rann ihr über die Wangen.
Es tut mir leid, Zifan. Ich habe mein damaliges Versprechen längst vergessen. Ich wollte dir nur einen Knoten knüpfen, der sich niemals lösen lässt. Doch ich ahnte nicht, dass dieser Knoten dich für immer ans Leben binden würde.
Der betagte Zifan kam wankend auf mich zu, streckte die Hand aus, um mich zu berühren, zog sie dann aber plötzlich zurück und sagte mit einem bitteren Lächeln: „Nun bist du endlich gekommen, das ist gut. Ich hatte immer Angst, dass ich diesen Tag nicht mehr erleben würde.“
Ein blasses Gesicht spiegelte sich schwach im Fenster, ein zartes Kinn und lange, dichte Wimpern, die Augen wie herbstliche Wasserbecken verbargen … Zifan war von meiner Zeitlosigkeit überhaupt nicht überrascht. Ja, er war es, der das Lachen in meinem Herzen hören konnte.
Ich ließ mich in diesem alten Haus nieder. Der betagte Zifan sagte, er wolle meine weißen Lippen wieder in ihren früheren Glanz versetzen, das sei sein Lebenswunsch.
Als seine alte Stimme „ein ganzes Leben“ sagte, konnte die Fee nicht widerstehen.
Ich bin noch nicht zu einem Rauchwölkchen oder einem Fisch geworden. Ich wohne noch immer in dem Zimmer und schlafe im einzigen Bett. Der alte, gebrechliche Zifan kauert draußen vor dem Flur auf dem Sofa, und jede Nacht plagen ihn schmerzhafte Hustenanfälle.
Ich bat Zifan, mit ihm das Bett zu tauschen, doch er lehnte ab. Seine dünne, altersfleckige Hand strich mir sanft über das Haar, während er lächelte und sagte: „So kann ich ein wenig von dem Gefühl wiederfinden, das ich als Kind hatte.“ In seinen Augen spiegelte sich eine vielschichtige und anhaltende Zuneigung wider.
Ich fand eine wunderschöne Glasbox neben dem Bett. Der alte Zifan stand still in der Tür des Zimmers und sagte: „Ich habe dich immer mit Glas verglichen. Aus der Ferne ist es kaum zu sehen, aus der Nähe kann man sich leicht schneiden. Aber ich hatte immer Angst, dass du zerbrechen würdest.“
In der Schachtel befand sich eine lange Haarsträhne.
Es war diese Haarsträhne, die Zifans Herz umfing und ihn für immer an sich band.
Jeden Tag brachte mir Zifan eine Schale mit Medizin. Sie war bräunlich-rot, roch stark nach Kräutern und hatte einen stechenden, fischigen Geruch. Ich hielt den Atem an und trank sie aus. Zifan sagte, diese Medizin könne meinen blassen Lippen ihre Farbe zurückgeben, und ich wollte den alternden Zifan nicht verärgern.
Die Tage vergingen ruhig, und es schien, als ob die Zeit in dieser Zeit sehr langsam verginge.
Oft trug ich dezenten Lippenstift und begleitete Zifan auf die Straße. Passanten zeigten auf uns und sagten, wie pflichtbewusst diese Enkelin doch sei. Zifans trübe Augen spiegelten tiefe Verzweiflung wider, doch ein schwaches Lächeln huschte über sein wettergegerbtes Gesicht.
Zifans Hustenanfälle wurden nachts immer häufiger, und seine Schritte wurden zunehmend unsicherer.
Überraschenderweise nahmen meine blassen Lippen allmählich wieder ihre rosige Farbe an. Zuerst erschien ein zartes, fast unmerkliches Rot, das sich langsam zu einem subtilen, zarten Karmesinrot entwickelte. Und an diesem Tag, als ich vor dem Spiegel saß und mich bewunderte, leuchteten meine blütenblattartigen Lippen in einem kräftigen Karmesinrot. So viele Jahre, so viele Jahre hatte ich diese wunderschöne Farbe nicht mehr in ihrer vollen Pracht auf meinen Lippen gesehen. Ich berührte sie sanft. Zifan kam mit zitternden Händen ins Zimmer und reichte mir eine dampfende Schale mit Medizin. Ich drehte mich zu Zifan um und lächelte glücklich: „Zifan, meine Lippen haben ihre Farbe zurück!“ Zifan lächelte erleichtert: „Ja, ich wusste, dass diese Methode funktionieren würde.“
Ich nahm die Medizin, die mir Zifan reichte. Ihr stechender, fischiger Geruch war widerlich! Aber sie konnte meinen blassen Lippen wieder Farbe verleihen. Ich trank sie in einem Zug aus und blickte zurück in den Spiegel. Im Spiegel spiegelte sich mein Profil: langes, glänzendes schwarzes Haar, das mir bis zur Taille reichte und mein Gesicht teilweise verdeckte; meine dunklen Augen schimmerten, meine Haut war fast durchscheinend schneeweiß, und meine Lippen leuchteten in einem kräftigen, satten Rot. Ich sah, dass Zifans Pupillen stillstanden, als er mich im Spiegel betrachtete; ich konnte sein Herz heftig pochen hören. Ich wandte mich Zifan zu und lächelte leicht. Die Falten in seinem Gesicht glätteten sich, und er sagte: „Glaubst du mir jetzt? Glaubst du an meine Aufrichtigkeit?“
Ich glaube es, natürlich glaube ich es. Wie könnte ich jemandem nicht glauben, der sein ganzes Leben lang versucht hat, mir seine Liebe zu beweisen? Selbst Feen haben Gefühle. Die Medizin, die ich eben getrunken habe, wirkt süß und tröstlich in meinem Herzen. Ich glaube, mein Lächeln in diesem Moment ist das wahrhaftigste, reinste und bezauberndste seit tausend Jahren.
Ein alter Mann namens Zifan hatte überglücklich gestrahlt, als er plötzlich zusammenbrach. Ich eilte zu ihm, um ihm aufzuhelfen, und bemerkte dabei dunkelrotes Blut, das aus seinem Ärmel sickerte. Ich krempelte den Ärmel hoch, und an seinem alten, dürren Arm – ah, was war das denn! Tiefe Blutspuren! Mir wurde plötzlich klar. Die Medizin, die ich all die Tage getrunken hatte, bestand tatsächlich nur aus Zifans Blut! Zifan hatte sein Blut mit chinesischen Kräutern vermischt und mir daraus Schalen zum Trinken zubereitet!
Die süße Medizin, die ich eben noch getrunken hatte, verwandelte sich plötzlich in tausend Nadeln, die alle mein Herz durchbohrten. Zifan, warum hast du das getan?!
---Fisch und Garnelen
Antwort [15]: Am Boden lag der alte, gebrechliche Zifan mit spärlichem, grauem Haar und einem faltigen Gesicht – ich erinnerte mich an das Gesicht jenes jungen Mannes vor langer, langer Zeit, dieses junge Gesicht, das entweder glücklich oder traurig war – die Tränen der Fee flossen in Strömen. Es war das zweite Mal in tausend Jahren, dass ich Tränen vergoss, und um denselben Menschen.
Ich half Zifan auf und ließ ihn sich an mich lehnen, während meine Tränen in Strömen über sein Gesicht liefen. Vor Jahren hatte er eine einzige Träne auf meinen Handrücken geträufelt; nun musste ich ihm mit so vielen Tränen danken. Ist alles Schicksal?
Zifan war zu schwach zum Sprechen, und seine trüben Augen wurden allmählich dunkler… Damals hatte er mir einen Tropfen Blut auf den Handrücken geträufelt. Sollte ich ihm nun mit einem Vielfachen an Blut den Gefallen erwidern?
Ich hob den Spiegel auf, blickte auf mein unverändertes Spiegelbild und ließ ihn dann los. Er fiel zu Boden und zersprang in tausend Stücke. Ich hob eine Glasscherbe auf und schnitt mir damit kräftig ins Handgelenk. Klare, kalte, farblose Flüssigkeit floss heraus. War das mein Blut? Zum ersten Mal seit tausend Jahren hatte ich mein eigenes Blut gesehen, und vielleicht würde es auch das letzte Mal sein.
Ich träufelte diese klare Flüssigkeit in Zifans Mund. Seine Augen waren fast vollständig geschlossen, und er lag regungslos und still da, ohne zu atmen.
Zifan, steht dein Leben kurz vor dem Ende?
Ein klarer Tropfen rann langsam von meinem Handgelenk. Plötzlich spürte ich eine Wärme in der Flüssigkeit, und als ich hinunterblickte, sah ich, wie sie sich allmählich schwach rötlich färbte. Ich wusste, es war Zifans Blut.
Jahrtausendelang, mit jeder Lebensphase und jeder Begegnung mit den Wechselfällen der menschlichen Natur, hat jede Wiedergeburt mein Blut in den Adern gefrieren lassen und meine Gleichgültigkeit gegenüber der Welt vertieft. Auch meine Lippen sind mit dieser Kälte und Gleichgültigkeit allmählich verblasst, bis sie nun völlig farblos sind. Doch Zifan hat mit seinem Blut meinen Körper durchdrungen und mir mit seinem Leben die Wärme der Welt gezeigt, mein Blut und mein Herz erwärmt und meinen blassen Lippen ihre Farbe zurückgegeben.
Zifan, was ich dir schulde, könnte ich selbst in tausend Jahrtausenden niemals zurückzahlen!
Mein Blut tropfte immer schneller in Zifans Mund. Sein weißes Haar färbte sich langsam schwarz, und die Falten in seinem Gesicht glätteten sich allmählich – meine Sicht verschwamm bereits. Durch die Unschärfe sah ich, wie die Haarsträhnen in der Glasbox neben dem Bett nach und nach verschwanden, bis sie ganz verschwunden waren. Ich wusste, dass auch ich in diesem Raum verschwinden würde, mich wie Staub auflösen, ohne Wiedergeburt oder Reinkarnation. Mein ganzer Körper war schwach, und ich war im Begriff, die Zeit erneut zu vergessen, doch diesmal spürte ich keine qualvollen Schmerzen, nur Leichtigkeit und Freude. Nach diesem Zeitverlust würde es keine Wiedergeburt mehr geben, und ich bereute nichts – als das Blut endlich aufhörte, von meinem Handgelenk zu tropfen, sah ich, wie Zifan die Augen öffnete, klar und voller Lebenskraft. Sein junges Gesicht strahlte von einem glücklichen Lächeln, und er zwinkerte mir liebevoll zu.
Ich schenkte ihm ein letztes Lächeln, und im Nu löste sich mein Körper in Luft auf – mein langes, glänzendes Haar, meine strahlenden Augen, meine vollen Lippen und mein blasses Gesicht, alles verschwand in Luft. Ich fühlte mich emporgehoben – ach, tausend Jahre lang, obwohl ich eine Fee bin, bin ich nie geflogen. In den Träumen der Feen träumen wir immer vom Fliegen, davon, eines Tages wie die Feen der Legenden zu fliegen … Heute bin ich endlich geflogen … Ich lächelte sanft in mich hinein … Ich bin eine Fee, eine tausendjährige Fee. Tausend Jahre lang habe ich in diesem Raum gelebt und still den Menschen dieses Raumes gedient, mein Bestes getan, um ihnen Freude und Glück zu bringen.
Ich bin eine Fee ohne magische Kräfte. Ich kann mich weder in einen Rauchschleier verwandeln und mich in einer großen Schnecke verstecken, noch in einen Fisch und mich in einem Aquarium verbergen. Ich erleide nur in jedem Zyklus unerträgliche Schmerzen, so intensiv, dass ich die Zeit vergesse, und dann setze ich mein Leben fort, immer noch mit demselben Gesicht, und erinnere mich an alles, was zuvor geschehen ist.
Mein Gesicht im Spiegel, das Gesicht eines jungen Mannes, strahlend mit einem glücklichen Lächeln. Ich blinzelte, und das Gesicht im Spiegel blinzelte zurück. Meine Lippen waren blutrot.
Vor tausend Jahren, als mein erstes Feenleben begann, öffnete ich die Augen und sah ein blasses Gesicht, langes, glänzendes Haar, strahlende Augen und volle Lippen. Ein Lächeln huschte über mein Gesicht, doch im nächsten Augenblick verschwand es in Luft. Ich fragte mich, ob ich träumte. Ich richtete mich auf und bemerkte, dass mein Gesicht von Tränen bedeckt war, doch meine Augen waren trocken. Wessen Tränen waren das? So viele Tränen. Ein süßes Gefühl stieg in mir auf; eine klare Flüssigkeit floss. Ich sah einen Glaskasten, einen leeren Glaskasten. Mein Herz setzte einen Schlag aus, und ich hörte mich sagen: „Ich habe immer gedacht, du seist wie Glas; aus der Ferne bist du fast unsichtbar; aus der Nähe kannst du leicht geschnitten werden. Und doch habe ich immer Angst, dass du zerbrichst.“
Ist es zerbrochen? Du. Dein Duft liegt noch in der Luft, ein schwacher Hauch. Mein Feenherz ist seit tausend Jahren mit einem Knopf verschlossen.
Seit Jahrtausenden lebe ich still und bemühe mich nach besten Kräften, den Menschen Wärme zu spenden und viele kalte und gleichgültige Herzen zu erwärmen.
Wissen Sie?
Ich weiß, dass du es weißt, nicht wahr? Auch wenn du schweigst.
Doch ich hörte ein leises Lachen in deinem Herzen.
---Fisch und Garnelen
Antwort [16]: Angesichts dieser ergreifenden und berührenden Geschichten sollten wir die Menschen um uns herum wertschätzen!
---Fisch und Garnelen
Antwort [17]: Klassische Geschichte Nr. 3: Die Geisterspinne
Autor: Unbekannt
Ich bin nur eine gewöhnliche Spinne, ein hässliches und unbedeutendes Geschöpf in diesem Universum, und doch bin ich auch eine außergewöhnliche Spinne, denn ich spann mein Netz unter dem Dachvorsprung des Leiyin-Tempels im Westlichen Paradies. Täglich höre ich den Gesang der Mönche, den rhythmischen Klang ihrer hölzernen Fischtrommeln und das Murmeln buddhistischer Hymnen; ich empfange die Weihrauchopfer frommer Männer und Frauen aus dem ganzen Land. Allmählich begann auch ich, Spiritualität zu entwickeln, und ich verstand einige tiefgründige buddhistische Prinzipien.
Eines Tages spürte Buddha schließlich meine Existenz und meinen Fortschritt. Er fragte mich: „Spinne, was schätzt du am meisten auf der Welt?“ Zögerlich antwortete ich: „Ich glaube, nichts auf der Welt ist wirklich kostbar. Nur zwei Dinge sind kostbar: erstens, was verloren gegangen ist, und zweitens, was man nicht erlangen kann.“ Ich war sehr stolz auf meine Antwort. Doch Buddha sagte: „Spinne, du irrst dich.“ Hatte ich mich geirrt? War ich wirklich im Unrecht? Buddha wollte bald auf Reisen gehen. Bevor er ging, trug er mir auf, darüber sorgfältig nachzudenken, da er mich bei seiner Rückkehr erneut fragen würde. Ich weiß nicht, wie viel Zeit vergangen war, vielleicht tausend Jahre, als Buddha zurückkehrte. Als er mich sah, fragte er: „Tausend Jahre sind vergangen. Worüber hast du nachgedacht?“ Ich schwieg. Ich wusste nicht, was an meiner vorherigen Antwort falsch gewesen war. Buddha lächelte und ignorierte mich dann. Ich dachte, Buddha sei wütend auf mich. So spann ich weiterhin Seide und webte Netze und studierte in meiner Freizeit buddhistische Prinzipien. Weitere tausend Jahre vergingen wie im Flug.
Eines Tages kam die Bodhisattva Guanyin an mir vorbei. Vielleicht hatte sie es eilig, denn ein Tautropfen fiel von dem Weidenzweig in ihrer Hand und landete direkt auf meinem Spinnennetz. Der Tau verwandelt sich in Regen und nährt alles Leben auf Erden; mein Netz war lediglich ein Ort, an dem er verweilte. Er war so kristallklar und strahlend; seine Existenz ließ mich nur minderwertig fühlen. Ich ignorierte ihn, wissend, dass er eines Tages von selbst aus meinem Leben verschwinden würde. Ein weiteres langes Jahrtausend verging, und er blieb, begleitete mich still und leise, ohne Laut und Spur.
Eines Tages fegte schließlich ein starker Windstoß an mir vorbei und trug es fort. Nachdem es verschwunden war, begann ich zu verstehen, dass ich zuvor nur Einsamkeit gespürt hatte und nun, da es fort war, nur noch endlose Einsamkeit zurückblieb. Es gibt viele Dinge im Leben, die ich vielleicht nie besitzen werde, aber wenn ich sie nicht habe, werde ich es nicht bereuen. Was ich bereue, ist, etwas zu besitzen und es dann zu verlieren. Ich kann dieses Gefühl der Einsamkeit immer weniger besänftigen. Obwohl ich mich jeden Tag sehr beschäftige, ist die Einsamkeit wie Gift, das durch meinen Körper strömt und mir unermessliche Qualen bereitet.
---Fisch und Garnelen
Antwort [18]: Schließlich war der Buddha alarmiert. Er sprach: „Spinne, dies ist dein vorherbestimmtes Unglück. Geh, es gibt einen anderen Weg für dich in der Welt der Sterblichen.“ Ich fiel in einen tiefen Schlaf, und ich weiß nicht, wie lange er dauerte. Ich hörte ein lautes Geräusch in meinen Ohren. Jemand schlug mich. Ich spürte einen stechenden Schmerz. Ich öffnete den Mund und hatte eine Stimme und Tränen, die ich als Spinne nicht besessen hatte. Ich hörte mein lautes und melodisches Weinen. So wurde ich die kleine Tochter des Großlehrers Lin – Lin Zhu'er. Ja, es war die Einsamkeit, gegen die ich mich nicht wehren konnte, die mich in diese Welt der Sterblichen trieb. Vielleicht finde ich, was ich suche, vielleicht bin ich aber auch verdammt. Wer weiß? Ich glaube, der Buddha ist mir wohlgesonnen. Sonst hätte er mich nicht meine Erinnerungen als Spinne behalten lassen. Ich möchte meinen süßen Tau finden, den süßen Tau, der mich tausend Jahre lang still beschützt hat. Ich wünsche mir, dass er für immer an meiner Seite bleibt und alle Einsamkeit und Verlassenheit in meinem Herzen vertreibt. Mein Vater ist der Großlehrer des Hofes. Er ist mit dem verstorbenen Kaiser verschwägert. Das heißt, meine Mutter und die Kaiserinwitwe sind Schwestern. Mein älterer Bruder und meine Schwester stammen ebenfalls aus wohlhabenden und adligen Familien; aus unserer Familie gingen zwei Prinzen und drei Prinzessinnen hervor. Buddha hat mich beschützt und mir die Geburt in eine so angesehene Familie und die Liebe aller in diesem Haus geschenkt.
Ich wurde sechzehn und war so begierig darauf, den Tau zu finden, aus Angst, ihn unbemerkt zu verpassen, genau wie beim letzten Mal. Das Schicksal führte mich und den Tau schließlich zusammen. Zum fünfzigsten Geburtstag der Kaiserinwitwe erhielt ich die Erlaubnis, mit meiner Mutter am königlichen Bankett teilzunehmen. Dieses Bankett war viel prunkvoller, als ich es mir vorgestellt hatte. Da es der Geburtstag der Kaiserinwitwe war, waren nicht nur Mitglieder der kaiserlichen Familie, sondern auch die Familien aller hochrangigen Beamten anwesend. Der Kaiser hatte sogar den neu ernannten Gelehrten eingeladen, Gedichte zu verfassen. Ich glaube, mein Aussehen verblüffte alle Anwesenden; viele Blicke ruhten auf mir, was mich erschreckte. Ja, ich hielt mich für schön, aber diese Schönheit stellte ich nur wegen des Taus zur Schau.
Meine Augen suchten die Menge ab; ich wollte Ganlu finden. Die Regeln meiner Familie waren streng, und ich verließ das Haus nur selten, also musste ich diese Gelegenheit nutzen. Schließlich fiel mein Blick auf ein Paar strahlende Augen. Ja, das war er! Mir stockte der Atem. Als dieses helle Licht, das mich im Leiyin-Tempel so unruhig gemacht hatte, wieder vor mir erschien, war es er – der neu ernannte Spitzengelehrte – Ganlu, der seinen Namen noch nicht einmal geändert hatte. Er war ständig damit beschäftigt, Gedichte für die Kaiserinwitwe zu schreiben. Viele Frauen umringten ihn, Töchter hochrangiger Beamter und Adliger, deren Augen voller Sehnsucht nach ihm waren. Ich war nicht eifersüchtig. Ich war glücklich, dass mein Geliebter im Mittelpunkt der Begierde aller stand. Ich war überzeugt, dass ich die einzige Frau war, die ihm in diesem Leben zugedacht war. Ich war so außergewöhnlich. Ich saß still da und beobachtete ihn, und auch er bemerkte mich. Seine Augen verrieten mir, dass meine Anwesenheit ihn tief berührt hatte. Als sich unsere Blicke trafen, lächelte er mich an und vertiefte sich dann wieder in seine Gedichte. Der Eunuch trug dem Kaiser und der Kaiserinwitwe seine Gedichte einzeln vor. Sie gaben ihnen ihre Kritik, bevor die Palastmädchen sie zu den Melodien vortrugen. Ich hörte ein Lied: „Warum verlässt die Fee die Jadeterrasse und hält alle drei Schritte inne? Nur zur Geburtstagsfeier der Kaiserinmutter auf Erden, wo sie anmutig zwischen Himmel und Erde tanzt.“ Ich wusste, es musste für mich geschrieben sein. Versunken in meinen schönen Traum, wurde ich plötzlich von ihrem Eunuchen, Eunuch Chai, zur Kaiserinwitwe geführt. Ich hatte die Kaiserinwitwe seit meiner Kindheit nicht mehr gesehen. Sie schien mich sehr zu mögen, streichelte mir zärtlich die Hand und lächelte unentwegt. Sie stellte mich auch ihrem jüngsten Sohn, Prinz Xiang, vor. Wir waren am selben Tag, im selben Monat und im selben Jahr geboren. Xiang warf mir immer wieder verstohlene Blicke zu; er war so schüchtern und wortkarg, obwohl er ein Prinz war, der im ganzen Palast hoch angesehen war. Ich weiß nicht mehr, wann das Festmahl zu Ende ging. Ich weiß nur, dass ich viel Wein getrunken und ein bisschen angetrunken war. Ich war so glücklich, weil ich ihn gefunden hatte – Ganlu. Er war mein Glück, mein Leben. Meine sechzehn Lebensjahre hatten erst Sinn, nachdem ich ihn kennengelernt hatte.
Ich habe meinen Eltern ganz offen von meinen Gefühlen für Ganlu erzählt. Wie ich es mir gewünscht hatte, hatten sie nichts dagegen. Meine Eltern lieben mich und können es nicht ertragen, wenn ich auch nur das Geringste leide. Sie stimmen mir immer zu, solange es nicht zu absurd ist.
---Fisch und Garnelen
Antwort [19]: Affen sind Idioten.
---Minzregen
Antwort [20]: Das zweite Mal traf ich Ganlu im Tempel des Weißen Pferdes am Stadtrand der Hauptstadt. Meine Mutter begleitete mich dorthin, um für eine gute Ehe zu beten. Gleich nach Betreten des Tempels teilte uns der Abt mit, dass Gan Zhuangyuan mit seiner Mutter Weihrauch darbringen wollte, und führte uns dann zu ihm. Meine Mutter unterhielt sich kurz mit Gans Mutter, und dann verabschiedeten sie uns beide.
Ich wusste, Mutter wollte Madam Gan unbedingt von mir und ihm erzählen. Eine Welle der Freude, vermischt mit einer unerklärlichen Aufregung und Schüchternheit, überkam mich. Er begleitete mich auf unserem Rundgang durch den Tempel, gefolgt von einer großen Gruppe Diener. Er war so nah, und doch fühlte ich mich fast eingeengt. Er war so höflich und nannte mich immer „Fräulein“, was mich ein wenig ärgerte. Ich sagte: „Nenn mich Spinne! Spinne wie in Spinne. Darf ich dich Bruder Tau nennen?“ Er fragte: „Ist das nicht unpassend?“ Ich lächelte sanft. „Hast du mich nicht schon immer so genannt?“ Er war verwirrt. „So hast du mich in deinem Herzen genannt. Damals war ich eine Spinne, die unter dem Dachvorsprung des Leiyin-Tempels ihr Netz webte, und du warst der Tau, der zufällig auf den Weidenzweig des Bodhisattva Guanyin in deinem Netz tropfte. Tausend Jahre lang hast du mich begleitet. Dann bist du mit einem Windstoß fortgeflogen, und ich begann mich einzusam zu fühlen. Die Einsamkeit führte mich in die Welt der Sterblichen und unterbrach meine spirituelle Praxis, wodurch ich dir auch wiederbegegnete.“ Ich wünschte mir nur, er würde seine Erinnerungen als Tau wiedererlangen, damit ich ihn persönlich erzählen hören konnte, was er in diesen tausend Jahren unserer Freundschaft empfunden hatte. Sein Verhalten enttäuschte mich. Er lachte, wie ein älterer Bruder, der dem Geplapper seiner kleinen Schwester im Schlaf lauscht. Ich hörte ein dumpfes Geräusch, das Geräusch meines brechenden Herzens. Hatte er mich vergessen? Oder war Ganlu einfach herzlos? Ich betete in meinem Herzen zu den Göttern. „Deine Vorstellungen sind zu romantisch. Mit solchem Talent muss deine Dichtung wirklich gut sein.“ Ich begann zu verzweifeln. Wo hatte ich nur falsch gehandelt? Ich war in die Welt der Sterblichen gekommen, um meinen Ganlu zu finden, und der Mann vor mir war eindeutig Ganlu, doch er hatte die Erinnerung an sie verloren. Er schien mich absichtlich zu necken, spottete: „Du sagtest, du seist einst eine Spinne gewesen, aber du bist so wunderschön, du siehst überhaupt nicht wie eine aus! Du bist tausendmal schöner als sie.“ Das war als Kompliment gemeint, aber es verletzte mich tief. Ich begann, mein Schicksal zu akzeptieren. Ich war so töricht gewesen. Ganlus Bestimmung war es, allen Lebewesen zu helfen; mein Netz war nicht seine wahre Heimat. Langsam verließ ich ihn und sagte mit verzweifelter Trauer: „Es webt tagsüber Fäden der Liebe und nachts ein Netz der Liebe, verstrickt sich schließlich tief und kann sich nicht mehr befreien. Doch ihr Menschen findet es hässlich und lacht darüber, haltet es für nichts weiter als ein wenig verliebt.“ Tau! Tau! Ihr seid im Grunde herzlos, denke ich.
Endlich erreichte ich das Ende des Korridors. Ich zog einen vielversprechenden Wahrsagerstab – eine bittere Ironie. Der Abt selbst deutete ihn und sagte, ich würde innerhalb von drei Monaten glücklich heiraten, und das Glück würde im Frühling des folgenden Jahres eintreten. Meine Mutter freute sich noch immer, aber mir war bereits klar, dass es kein Glück geben würde.
Drei Monate später trafen Beamte des Palastes ein. Meine ganze Familie hatte einen Weihrauchtisch aufgestellt und kniete nieder, um das kaiserliche Edikt entgegenzunehmen. Die lange, elegante und schwer verständliche Formulierung enthielt nur eine Botschaft: Die Kaiserinwitwe hatte mich mit ihrem jüngsten Sohn, Prinz Xiang, für die prunkvolle Hochzeit im folgenden Frühjahr verlobt. Dann würde ich die Prinzessin Xiangs sein. Es traf mich wie ein Blitz. Wenn meine Enttäuschung über Ganlu wie eine scharfe Klinge war, die mein Herz durchbohrte, so war die Verlobung durch die Kaiserinwitwe wie Arsen, das auf meine Wunde gestreut wurde. Wie sollte ich das ertragen? Vielleicht gab es nur einen Ausweg für mich – den Tod durch das Gift, das Erliegen der Wunde. Benommen und verwirrt stützte mich meine Zofe. Ich war schweißgebadet und schwankte gefährlich.
Ich hörte noch schwach die Stimme meines Vaters, der meinen Schwiegervater zum Abendessen zu überreden versuchte. Mein Schwiegervater lächelte und lehnte ab: „Großlehrer, Ihr seid zu gütig. Ich muss Gelehrten Gan das kaiserliche Dekret überbringen! Übrigens, Ihr wisst es nicht? Prinz Luos jüngste Tochter, Fräulein Changfeng, ist schon lange in den Gelehrten verliebt und hat die Kaiserinwitwe um ihre Entscheidung gebeten. Die Kaiserinwitwe meinte, die Angelegenheit müsse mit dem Gelehrten selbst besprochen werden, doch unerwarteterweise stimmte dieser dem Wunsch der Kaiserinwitwe sofort zu, als er Fräulein Changfeng sah. Deshalb werde ich heute das Dekret für ihre Heirat im nächsten Monat überbringen.“ Ich konnte es nicht mehr ertragen. Bevor mein Schwiegervater weit gegangen war, brach ich zusammen. Ich hörte nur noch undeutlich das Getöse und Geschrei, ein chaotisches Durcheinander. Es war wie bei meiner Geburt. Ich dachte, ich würde gehen, zum Leiyin-Tempel zurückkehren. Ganlu war schließlich mit Changfeng gegangen; ich sah keinen Grund mehr, in dieser Welt zu leben. Geh! Hör auf, dich festzuhalten; was mir nicht gehört, wird mir nie gehören! Ich redete mir ein, ich träume. Im Traum sagte Buddha zu mir: „Du dumme Spinne, warum hegst du immer noch Groll gegen den Tau? Der Tau ist seit tausend Jahren bei dir, weil er auf den langen Wind wartet. Nur im Einklang mit dem langen Wind kann er das Universum durchstreifen und alle Lebewesen nähren; nur dann hat seine Existenz einen Sinn. Doch für dich ist er herzlos.“ Ich flehte Buddha an: „Ich weiß, ich habe mich geirrt. Ich will nicht länger hierbleiben. Bring mich zurück! Ich will immer noch eine Spinne unter dem Dachvorsprung sein.“ Buddha dachte einen Moment nach und sagte: „Wenn du unbedingt zurückkommen willst, werde ich dich nicht zwingen, aber deine irdischen Bande sind noch nicht gelöst. Gut, ich gebe dir drei Tage. Ich werde dich nach drei Tagen abholen.“ Die Turmtrommel schlug dreimal, und ich erwachte. Zu meiner Überraschung lächelte Xiang mich an. Sein schüchternes Lächeln konnte die Erschöpfung in seinem Gesicht nicht verbergen. Er sagte nur leise: „Es tut mir leid, ich hätte dir früher von der Heirat erzählen sollen.“ Sein Lächeln brach mir das Herz. Innerlich entschuldigte ich mich bei ihm; ich konnte nicht seine Königin werden. Als die Mägde sahen, dass ich wach war, sagten sie eilig: „Fräulein, du hast Prinz Xiang und uns alle furchtbar erschreckt! Weißt du, dass Prinz Xiang drei ganze Tage und Nächte ohne Essen und Trinken an deiner Seite geblieben ist? Fräulein, bitte werde schnell wieder gesund!“ Sie begannen sogar zu weinen. Ein Stich des Widerwillens überkam mich; all diese Menschen zu verlassen, würde ihnen sicherlich das Herz brechen. Und was ist mit meinen Eltern, die mir das Leben geschenkt haben? Wie herzzerreißend wäre es für sie, ihr Kind zu Grabe zu tragen! Aber ich hatte nicht mehr den Mut, in dieser Welt weiterzuleben. Mein Leben galt dem süßen Tau; nun, da es keinen süßen Tau mehr gab, konnte ich mein Leben genauso gut aufgeben.
---Fisch und Garnelen
Antwort [21]: Xiang schien meine Gedanken zu lesen und sagte: „Vergiss Ganlu, ja? Lass mich dir in diesem Leben Glück schenken, statt ihm! Weißt du, Zhu'er! Ich habe dreitausend Jahre auf dich gewartet. Ich habe dich beim Geburtstagsbankett der Kaiserinwitwe erkannt. Du bist so klug und standhaft, genau wie damals unter dem Dachvorsprung des Leiyin-Korridors. Ich bin das kleine Gras unter dem Leiyin-Bodhi-Baum, das dreitausend Jahre lang still auf dich gewartet hat. Ich schaue jeden Tag zu dir auf und wünsche mir, dass du meine Existenz erkennst, aber du bist so hoch oben und hast mich nie bemerkt.“ Ich bin nur ein winziger Punkt, doch ich werde nicht aufgeben. Eines Tages wirst du wissen, dass da ein so kleines Ich still auf dich wartet. Aber in deinem Herzen gab es immer nur Ganlu. Schließlich wurde Ganlu vom langen Wind fortgetragen, aber du konntest ihn immer noch nicht loslassen. So schickte Buddha dich in die Welt der Sterblichen. Ich flehte Buddha an, mich mit dir gehen zu lassen, und Buddha willigte ein. Buddha sagte, wir seien füreinander bestimmt, also glaubte ich ihm. Schließlich verließ Ganlu dein Leben. Schließlich überredete ich die Kaiserinwitwe, meinen Bruder das Dekret ausstellen zu lassen, doch du konntest Ganlu immer noch nicht loslassen. ...“ Er konnte nicht weitersprechen. Ich war wie erstarrt. Dreitausend Jahre des Wartens, ich hatte ihm nie ein einziges Versprechen gegeben, und doch hatte er sich nie beklagt. „Zhu'er, bitte verrate mein Herz nicht. Wäre es nicht besser, zu bleiben und Tag und Nacht bei mir zu sein?“ Er hielt meine Hand, und mein Herz bebte. Ich hatte geglaubt, mein Herz sei tot.
Drei Tage vergingen wie im Flug. Ich hätte Buddhas Anweisungen befolgen und meine Seele endgültig von meinem Körper trennen sollen. Doch stattdessen hörte ich deutlich einen klagenden Schrei. „Zhu'er, willst du immer noch nicht bei mir sein? Das ist in Ordnung, geh nur bitte nicht. Ich kann auf die Heirat mit dir verzichten, solange es dir gut geht, du glücklich bist und ich dich jeden Tag sehen darf. Bitte geh nicht.“ Aus irgendeinem Grund zögerte ich, als ob mich etwas bewegt hätte. Er hielt meinen Körper fest und weinte bitterlich. Selbst ein Herz aus Stein würde Tränen vergießen. Meine Eltern versuchten, ihn zu trösten, während sie selbst weinten. Dann, als ob ihm etwas eingefallen wäre, zog er sein Schwert und murmelte vor sich hin: „Gut! Zhu'er, da du darauf bestehst, nach Leiyin zurückzukehren, werde ich dir folgen. Wohin deine Seele auch geht, ob ans Ende der Welt oder in die Tiefen der Unterwelt, Xiang, ich werde dich begleiten.“ Damit hob er sein Schwert, um Selbstmord zu begehen. Der Buddha sprach: „Zhu'er! Xiang hat dreitausend Jahre auf dich gewartet. Du kannst ihn doch nicht gehen lassen, oder? Kehre zurück! Solange du noch nicht allzu weit weg bist. In deinem jetzigen Zustand wäre es selbst dann vergeblich, wenn ich dich zum Leiyin-Tempel zurückführe.“ Mein Urgeist kehrte in meinen Körper zurück, und ich bewegte nur leicht die Lippen: „Xiang, nein, ich bin zurück. Ich bin bereit, deine Königin zu sein, deine Königin für alle Ewigkeit, um deine dreitausend Jahre des Wartens zu belohnen, ist das nicht gut?“ Plötzlich fiel mit einem Klirren das Schwert in seiner Hand zu Boden. Er hielt mich fest, und wir umarmten uns und weinten zusammen mit meinen Eltern. Ja, hätte ich gewusst, dass mein Abschied so vielen Menschen, die mich liebten, unerträglichen Schmerz zufügen würde, wäre ich nicht so eigensinnig gewesen, gehen zu wollen.
Endlich verstehe ich, dass das, was wir verloren haben und was wir nicht erlangen können, nicht wirklich wertvoll ist; was wir fest in unseren Händen halten, ist das Kostbarste. Einst suchte ich nach dem süßen Tau und fand nichts, doch nun verstehe ich, dass der Wert des süßen Taus allein in den Augen von Prinzessin Changfeng liegt. Er begleitete mich tausend Jahre lang, und das genügt. Was ich nun schätzen sollte, ist Xiangs Liebe zu mir!
Anmerkung: Die Menschen, die mich lieben, und die Menschen, die ich liebe – ein ewiges Thema: Wie treffen wir unsere Entscheidungen in dieser Welt? Ich glaube, das Schmerzlichste auf der Welt ist: Er ist direkt neben mir, und doch weiß ich nicht, ob er mich liebt. Aber wie viele Lieben können wir wiederholen? Genieße die Gegenwart! Genieße jede Liebe, die dir andere schenken! Verstehe, dass das, was du in Händen hältst, wahres Glück ist.
---Fisch und Garnelen
Antwort [22]: Klassische Geschichte Nr. 3: Wenn es ein gegenwärtiges Leben gibt, warum nach dem nächsten suchen? Autor: Unbekannt. Ye Qiqi war gerade einmal 10 Jahre alt, als ihre Intelligenz und Schönheit in ganz Jiangnan bereits bekannt waren. Ab ihrem 15. Lebensjahr wurde sie von Heiratsvermittlern umworben. Wenn man eines Tages viele talentierte Männer aus Jiangnan auf den Straßen und in den Gassen sah, war es mit Sicherheit der Tag, an dem Ye Qiqi ausgegangen war.
Ye Qiqi gleicht den Lotusblumen im grünen See von Jiangnan am Morgen, bedeckt mit Tau, zart und schüchtern, mit einer klaren Schönheit.
Ye Qiqi war 18 Jahre alt, als sie Feng heiratete; sie war wie eine Blütenknospe, die kurz vor dem Aufblühen stand.
Es erübrigt sich, all die guten Eigenschaften von Feng zu beschreiben, denn er heiratete Ye Qiqi, die schönste, talentierteste und klügste Frau in Jiangnan.
Nach ihrer Heirat mit Feng erblühte Ye Qiqi zu voller Pracht, und sie galten als das verliebteste Paar ihrer Zeit. „Lasst uns vereint sein, wir haben einen Pakt für hundert Jahre geschlossen. Sollte einer von uns mit 97 Jahren sterben, werde ich drei Jahre lang auf der Brücke der Hilflosigkeit auf dich warten.“ Mit diesen Worten zeichnete Feng Ye Qiqis Porträt. Oft untermalte Ye Qiqi ihre Bilder mit Volksliedern aus Jiangnan und fügte Fengs Bild neben ihr eigenes Porträt ein.
„Schöne Frauen haben oft ein tragisches Schicksal.“ Noch bevor sie hundert, ja sogar 97 Jahre alt war, erkrankte Ye Qiqi schwer und erholte sich nie wieder. Feng reiste durch das ganze Land, um medizinische Hilfe für sie zu finden, doch er konnte sie nicht retten.
Am Tag, als Ye Qiqi starb, war ihr Gesicht blass. Sie rief: „Feng!“ Feng antwortete mit Tränen in den Augen: „Lass uns zusammen sein, lass uns versprechen, hundert Jahre zusammen zu bleiben.“ Ye Qiqi fuhr fort: „Wenn einer von uns mit 97 stirbt, werden wir drei Jahre lang auf der Brücke der Hilflosigkeit aufeinander warten. Feng, ich werde auf dich warten.“ Feng rief: „Qiqi!“ Ye Qiqi starb mit einem Lächeln, ihr Gesicht erstrahlte in unglaublicher Schönheit.
Zu jener Zeit war Wiederverheiratung in Mode, doch Feng lehnte jede Frau ab. Er magerte rasch ab und erkrankte innerhalb von drei Jahren schwer; er verweigerte jede Behandlung. Auf dem Sterbebett sagte er zu seiner Familie: „Qiqi hat wohl zu lange auf mich gewartet. Seid nicht traurig um mich; ich bin überglücklich.“ Feng starb mit einem Ausdruck tiefen Glücks.
Das ist eine Geschichte, die in Jiangnan schon seit langer Zeit besungen wird.
Ein eisiger Wind weht über die Brücke der Hilflosigkeit. Die schöne Ye Qiqi wartet allein. Sie fürchtet keine Gefahr, nur den Anblick dessen, der ihr droht.
An dem Tag, als der Wind aufkam, wurde Ye Qiqis dünner, papierartiger Körper plötzlich fülliger. Auf der Brücke der Hilflosigkeit fiel an diesem Tag der zärtliche Regen Jiangnans, die glücklichen Tränen der Lotusblumen auf dem See.
Am Tag ihrer Wiedergeburt gaben Feng He und Ye Qiqi sich ein Versprechen: „Wir werden niemals die Meng-Po-Suppe trinken!“ Sie würden für alle Ewigkeit Liebende sein.
Doch sie ahnten nicht, dass ihr beschwerliches Warten auf der Brücke der Hilflosigkeit Ye Qiqis spirituelle Energie aus ihrem vorherigen Leben vollständig aufzehren würde. Sie glaubten weiterhin, in ihrem nächsten Leben ein perfektes Paar zu sein.
Sie kamen im Jahr 1981 n. Chr. zur Welt. Ye Qiqi wurde an einem Wintertag in der Zentralen Ebene geboren, und Feng wurde an einem Herbsttag im Nordosten geboren.
Am Tag ihrer Geburt blickte Ye Qiqi mit großen Augen umher, suchte überall und entdeckte schließlich eine große Gruppe Fremder. Sie wusste, dass sie in diesem Leben angekommen war. „Endlich werde ich wieder mit Feng zusammen sein“, dachte sie und musste lachen.
Alle um das Kreißbett herum erschraken. Sie hörte eine alte Frau mit grauem Haar sagen: „Ein Mädchen, das aussieht wie ein hässliches Monster und lacht statt zu weinen – ist sie etwa ein böser Geist?“ Ye Qiqi erinnerte sich, dass Neugeborene weinen sollen, und öffnete den Mund, um ein trockenes Wimmern ohne Tränen hervorzubringen. Doch dann hörte sie die alte Frau sagen: „Sie wird noch hässlicher, wenn sie weint.“
Die unvergleichliche Schönheit aus Jiangnan aus ihrem vorherigen Leben ist in diesem Leben angekommen, aber sie wurde nicht willkommen geheißen.
---Fisch und Garnelen
Antwort [23]: Ye Qiqi hat in diesem Leben einen ungewöhnlichen Namen: Sang Shang. Alle finden ihn seltsam, und auch sie selbst versteht ihn nicht. Anfangs war ihr der Name egal, aber in der Grundschule riefen ihr ein paar freche Jungen zu: „Sang Shang, Sang Shang, japanischer Teufel. Waaah~“ Alle lachten. Traurig kam Sang Shang nach Hause und fragte ihre Mutter, wer sie so genannt hatte: „Warum heiße ich Sang Shang?“ Ihre Mutter antwortete: „Es war einfach ein Name, er hat keine Bedeutung, aber er ist einzigartig. Wenn ein gewöhnliches Mädchen auffallen will, muss sie sich einen cleveren Namen ausdenken.“
Sang Shang betrachtete ihr Gesicht zum ersten Mal im Spiegel, ihr Herz brach. Verschwunden war die umwerfende Schönheit, an die sie sich erinnerte; sie war nur noch gewöhnlich. Ihre Augen waren groß, aber ihr einstiger Glanz war verschwunden; ihre Gesichtszüge waren schlicht, ihr Auftreten unauffällig. In diesem Moment begann sie sich selbst wirklich als Sang Shang zu sehen, nicht als Ye Qiqi. „Sie ist eine außergewöhnliche Lotusblume aus Jiangnan, ich bin nur ein gewöhnlicher Grashalm in der Zentralen Ebene.“ Aber, Wind, du erkennst mich doch, nicht wahr?
Sang Shang war von durchschnittlicher Begabung. Sie lernte fleißig, doch ihre Noten waren nicht herausragend. Anfangs fiel es ihr schwer, sich anzupassen, und oft wollte sie alles in ihrem Leben zerstören. Doch in ihren einsamsten Momenten dachte sie oft an den Wind und das Glück ihres früheren Lebens. „Ich werde mein Bestes geben, um die Beste aus mir herauszuholen; ich möchte sein wie die üppigen Blätter im Wind.“ Sie war ein fleißiges und wohlerzogenes Mädchen.
Ihr Leben schien nur noch aus Lesen zu bestehen, Lesen und nochmals Lesen. Manchmal wollte sie andere Fähigkeiten erlernen, doch nach wenigen Tagen protestierte ihre ganze Familie, da sie ihr jegliches Talent absprach. Angesichts so vieler Rückschläge lernte Sang Shang, sich mit einem Lächeln zu schützen. Sie begann, an nichts mehr zu denken; nur der Wind war ein winziges, farbenfrohes Element in ihren eintönigen Träumen.
Ihre Kindheit war weder besonders bemerkenswert noch absurd. Sie wuchs still und unauffällig auf und blieb für andere nur ein blasser Schatten.
Nach ihrem Schulabschluss waren ihre Noten weder besonders gut noch schlecht, also bewarb sie sich an einer medizinischen Fakultät, die ebenfalls weder besonders gut noch besonders schlecht war. Sang Shang gefiel die von Bäumen umgebene Universität und das Gefühl, einen weißen Kittel zu tragen. Sie blieb dort ein unauffälliges Mädchen, bis sie sich kurz vor ihrem Abschluss durch Fleiß und fundierte medizinische Kenntnisse aneignete.