Kapitel 44

Zu diesem Zeitpunkt hatte Su Mo bereits das vorletzte Lied gesungen, und Jiang Jianhuan nahm die Notenblätter und nutzte die letzten Minuten, um sie durchzulesen.

Alle oben genannten Noten sind perfekt auswendig gelernt; es besteht keine Notwendigkeit, sie auswendig zu lernen. Meine Finger jucken schon, etwas damit zu tun.

Jiang Jianhuan strich unbewusst ein paar Mal mit den Fingerspitzen über das Papier und atmete heimlich tief durch.

Die Bühnenlichter erloschen augenblicklich, und alle Geräusche verstummten. Jiang Jianhuan wurde von Li Sa angestoßen, die ihr eine Erinnerung zuflüsterte.

„Du bist an der Reihe, beeil dich und komm auf die Bühne.“

Als ich hier stand, wurde mir die gewaltige Dimension der Bühne bewusst. Die blauen Leuchtstäbe darunter leuchteten hell, wie eine Galaxie oder ein blauer Ozean.

In der Dunkelheit streckte jemand ihr die Hand entgegen.

"Komm mit mir."

Da alle Lichter aus waren, konnte Jiang Jianhuan die Straße nicht richtig sehen. Nach kurzem Zögern legte sie dennoch ihre Hand darauf.

Su Mos Handflächen waren warm und leicht feucht, und sein Atem beruhigte sich allmählich. Er führte sie zu einem Flügel.

Plötzlich gingen die Lichter an.

Ein einzelner Lichtstrahl traf Jiang Jianhuans Kopf und enthüllte ihre Gestalt auf der ansonsten dunklen Bühne.

Mit einem Klick sahen die Millionen Zuschauer unten das Mädchen vor dem Klavier sitzen.

Sie trug ein weißes Abendkleid, ihr Rücken war gerade und anmutig, ihre Haut strahlte im Licht, und ihr langes, schwarzes Haar fiel in Locken ihren Rücken hinab.

Das Kleid besticht durch einen Rückenausschnitt und eine zarte Schleife in der Taille. Der Stoff ist mehrlagig, mit langen, nach hinten fließenden Schleppen, und die weißen Bänder reichen fast bis zum Boden.

Trotz seiner süßen Elemente verströmt es eine retro-glamouröse Atmosphäre.

Alle konnten nur ihre Silhouette sehen; vermutlich aufgrund des Winkels war ihr Gesicht auf dem riesigen Bildschirm hinter ihr nicht zu erkennen.

Als sie jedoch plötzlich im Scheinwerferlicht erschien, blitzten in den Augen aller Anwesenden noch immer Staunen auf.

Aus allen Richtungen waren Flüstern zu hören.

Wer ist das?

„Wahrscheinlich der Pianist, der die Begleitung lieferte.“

„Das scheint mir nicht so …“ Wie konnte ein Hintergrundmusiker wie die Hauptfigur mitten auf der Bühne erscheinen und eine so herausragende Präsenz haben?

Mit dem Anschlagen der ersten Klaviertaste verstummte die gesamte Diskussion. Nach einer Reihe leichter, fließender Töne durchdrang Su Mos einzigartige Stimme die Dunkelheit.

Dies ist ein Lied, das noch nie jemand zuvor gehört hat.

Die schlichte und erfrischende Melodie und der Text wecken Erinnerungen an weiße Hemden und Sonnenschein in der Schulzeit, an ein Mädchen hinten auf einem Fahrrad, an die verschwommenen Gefühle der Jugend und an die unschuldige und schöne Liebe.

Su Mo blieb im Dunkeln, und alle Blicke waren nur auf das Mädchen gerichtet, das am Klavier saß und spielte.

Anders als bei allen vorherigen Aufführungen wurde bei diesem Lied auf jegliche andere Begleitung außer dem Klavier verzichtet, und Su Mo sang fast a cappella.

Seine Stimme war leicht und sanft, eher ein Kompliment als eine Fülle von Klaviernoten. Was den Zuhörer jedoch wirklich fesselte, war die Klaviermusik selbst, mit ihren Höhen und Tiefen, ihren reichen und vollen Tönen, mal sanft, mal melancholisch.

Diese Szene erweckt den Eindruck, als spiele Su Mo eher eine Nebenrolle für sie.

Jiang Jianhuans Gedanken waren völlig leer. Vom Moment des Tastendrucks an folgten ihre Bewegungen fast unbewusst und träge. Sie hatte das Stück schon unzählige Male gespielt.

Das Stück ist kurz, nur fünf Minuten lang, aber sie spielte es, als ob es Hunderte von Minuten gedauert hätte.

Schließlich endeten die Aufzeichnungen.

Su Mos Gesang verstummte nach dem letzten Wort, doch die Klaviermusik erklang weiter. Langsam trat er aus der Dunkelheit hervor und erreichte das Licht des Strahls.

Niemand schrie oder brüllte; alle hielten unwillkürlich den Atem an.

Su Mo setzte sich ans Klavier, ihre Finger ruhten ganz natürlich darauf, Schulter an Schulter mit Jiang Jianhuan.

Plötzlich erklang ein anderer Rhythmus in der Klaviermusik, der sich jedoch auf seltsame Weise mit der ursprünglichen Melodie vermischte. Die letzten paar Dutzend Sekunden endeten mit einem harmonischen und fließenden vierhändigen Duett der beiden Pianisten.

Erst als das Licht wieder ausging und die Bühne in Dunkelheit versank, begannen die Schreie des Publikums verspätet. Sie konnten es kaum erwarten zu sehen, wer das Mädchen am Klavier war, ob sie tatsächlich mit Su Mo zusammenarbeiten würde!

Zur Bestürzung aller Anwesenden ging jedoch plötzlich das Licht im gesamten Veranstaltungsort an, der Moderator erschien auf der Bühne, verkündete das Ende des Konzerts, dankte den Mitarbeitern und Organisatoren und erinnerte das Publikum daran, beim Verlassen des Veranstaltungsortes vorsichtig zu sein.

Die Schreie der Verzweiflung hallten beinahe durch den Himmel.

"Ah--"

"Oh mein Gott!!-"

"Waaaaah, wie konnte es so schnell vorbei sein? Hat es wirklich zwei Stunden gedauert? Es fühlt sich an, als wären erst zwanzig Minuten vergangen!"

Trotz der Beschwerden und des Unmuts wusste jeder, dass das letzte Lied eigentlich nicht auf der Setlist des Konzerts stand; es war ein zusätzliches Lied, das hinzugefügt wurde, um die Konzertdauer zu verlängern.

Was genau war also die Bedeutung dieser Darbietung eben?

*

Nachdem das Licht wieder ausgegangen war, entspannte sich Jiang Jianhuan endlich. Die Rufe, Schreie und der Applaus von unten waren fast ohrenbetäubend.

Sie blickte sich verdutzt um und sah ein Meer aus blauen Leuchtstäben, als wäre sie von ihnen umgeben.

Su Mo, die ihr einst so fern schien, sitzt nun direkt neben ihr.

Eine Hand ergriff ihre.

Su Mo half ihr auf die Beine, und inmitten des ohrenbetäubenden Lärms war seine Stimme so sanft, dass sie beinahe ätherisch klang.

"Die Welt, die ich sehe, gehört auch dir."

Jiang Jianhuan wurde von Su Mo aus dem Backstage-Bereich geführt.

⚙️
Lesestil

Schriftgröße

18

Seitenbreite

800
1000
1280

Lesethema

Kapitelübersicht ×
Kapitel 1 Kapitel 2 Kapitel 3 Kapitel 4 Kapitel 5 Kapitel 6 Kapitel 7 Kapitel 8 Kapitel 9 Kapitel 10 Kapitel 11 Kapitel 12 Kapitel 13 Kapitel 14 Kapitel 15 Kapitel 16 Kapitel 17 Kapitel 18 Kapitel 19 Kapitel 20 Kapitel 21 Kapitel 22 Kapitel 23 Kapitel 24 Kapitel 25 Kapitel 26 Kapitel 27 Kapitel 28 Kapitel 29 Kapitel 30 Kapitel 31 Kapitel 32 Kapitel 33 Kapitel 34 Kapitel 35 Kapitel 36 Kapitel 37 Kapitel 38 Kapitel 39 Kapitel 40 Kapitel 41 Kapitel 42 Kapitel 43 Kapitel 44 Kapitel 45 Kapitel 46 Kapitel 47 Kapitel 48 Kapitel 49 Kapitel 50 Kapitel 51 Kapitel 52 Kapitel 53 Kapitel 54 Kapitel 55 Kapitel 56 Kapitel 57 Kapitel 58 Kapitel 59 Kapitel 60 Kapitel 61 Kapitel 62 Kapitel 63 Kapitel 64 Kapitel 65 Kapitel 66 Kapitel 67 Kapitel 68 Kapitel 69 Kapitel 70 Kapitel 71 Kapitel 72 Kapitel 73 Kapitel 74 Kapitel 75 Kapitel 76 Kapitel 77 Kapitel 78 Kapitel 79 Kapitel 80 Kapitel 81 Kapitel 82 Kapitel 83 Kapitel 84 Kapitel 85 Kapitel 86 Kapitel 87 Kapitel 88 Kapitel 89 Kapitel 90 Kapitel 91 Kapitel 92 Kapitel 93 Kapitel 94 Kapitel 95 Kapitel 96 Kapitel 97 Kapitel 98 Kapitel 99 Kapitel 100 Kapitel 101 Kapitel 102 Kapitel 103 Kapitel 104 Kapitel 105 Kapitel 106 Kapitel 107 Kapitel 108 Kapitel 109 Kapitel 110 Kapitel 111 Kapitel 112 Kapitel 113 Kapitel 114 Kapitel 115 Kapitel 116 Kapitel 117 Kapitel 118 Kapitel 119 Kapitel 120 Kapitel 121 Kapitel 122 Kapitel 123 Kapitel 124 Kapitel 125 Kapitel 126 Kapitel 127 Kapitel 128 Kapitel 129 Kapitel 130 Kapitel 131 Kapitel 132 Kapitel 133 Kapitel 134 Kapitel 135 Kapitel 136 Kapitel 137 Kapitel 138 Kapitel 139 Kapitel 140 Kapitel 141 Kapitel 142 Kapitel 143 Kapitel 144 Kapitel 145 Kapitel 146 Kapitel 147 Kapitel 148 Kapitel 149 Kapitel 150 Kapitel 151 Kapitel 152 Kapitel 153 Kapitel 154 Kapitel 155 Kapitel 156 Kapitel 157 Kapitel 158 Kapitel 159 Kapitel 160 Kapitel 161 Kapitel 162 Kapitel 163 Kapitel 164