Er hatte kaum ausgeredet.
Zhan Yu, der Leiter der Tianxuan-Halle, der Ältesten Du Heng gegenüber gesessen hatte, drehte sich mit ruhiger und gelassener Miene plötzlich um und erschien vor dem Mädchen, als wäre sie ein Geist.
Sein Langschwert war ebenfalls gezogen.
Ein blendendes, durchdringendes Schwertlicht brach von der Spitze des Schwertes hervor und ließ dem kleinen Mädchen kein Entkommen, da jeder lebenswichtige Teil ihres Körpers augenblicklich von der Kraft von Zhan Yus Schwertenergie umhüllt wurde.
Mit einem einzigen Hieb seines Schwertes konnte er sie töten!
Das Ergebnis scheint bereits festzustehen!
Ye Chuhan lehnte sich an das weiche Sofa, lächelte leicht, wandte den Kopf zu der schönen Konkubine neben ihm und zwickte sie sanft in die helle Wange. Die Konkubine stieß einen koketten Laut aus und schmiegte sich sanft an Ye Chuhans Brust.
In der Haupthalle drang ein lauter Knall, das Geräusch von Metall, das auf Stein prallte, an die Ohren.
Ye Chuhan hielt kurz inne, während ihre Finger verharrten.
Er wandte den Kopf ab.
Wie ein Blitz, der den Himmel durchfährt, genau in dem Moment, als Zhan Yus Langschwert das Gesicht des Mädchens treffen wollte!
Das fünfzehnjährige Mädchen wirbelte herum, ihre Kleider flatterten. Ihre linke Hand hatte bereits das silberne, mit einem Lochmuster verzierte Band in ihrem schwarzen Haar ergriffen. Mit einem kräftigen Schnippen flog die Quaste des silbernen Bandes aus ihrer Hand und erzeugte eine Welle aus silbernem Licht. Es entpuppte sich als eine überaus zarte silberne Peitsche.
Die silberne Peitsche umschlang Zhan Yus Langschwert mit präziser Präzision, und das Mädchen sprang, dem Schwung des Schwertes folgend, zurück. Ihre anmutige Gestalt glich einer Mitternachtsorchidee, ihre weißen Kleider so weiß wie Schnee und ihr schwarzes Haar so schwarz wie Wolken.
Zhan Yus Angriff ging daneben!
Auf dem weichen Sofa verengten sich Ye Chuhans scharfe Augen wortlos.
Nach dem Hieb steckte Zhan Yu sein Schwert ruhig in die Scheide.
Das Mädchen zog ihre silberne Peitsche zurück, ihre klaren, strahlenden Augen blickten Ye Chuhan an.
Er stieß die charmante Konkubine von sich.
Ye Chuhan erhob sich schließlich langsam von der weichen Couch, klopfte sich sanft auf die kalten, schlanken Handflächen und ein zärtliches Lächeln erschien auf seinem hübschen Gesicht.
"Was für ein großartiges Kung Fu!"
Er stand auf, sein schneeweißer Fuchspelzmantel hing über dem weichen Sofa.
Die sechs Hallenmeister in der Haupthalle erhoben sich gleichzeitig, darunter auch der alte Hüter der Ordnung. Jeder von ihnen trug einen respektvollen und ernsten Gesichtsausdruck. Zhan Yu trat beiseite und senkte den Blick.
Das Mädchen blieb ruhig stehen.
Ye Chuhan ging direkt auf das Mädchen zu.
Er hielt an.
Das schneeweiße Fuchsfell wiegte sich sanft im Wind der Haupthalle; sein reines Weiß war so blendend, dass es unmöglich war, direkt darauf zu schauen.
Er blickte das Mädchen vor sich an, ihr Gesicht so schön wie Jade, ihr Gesicht trug noch immer ein sanftes Lächeln, das jeden die Seele rauben konnte.
"Darf ich Ihren Namen erfahren?"
In diesem Moment ahnte Ye Chuhan nichts davon.
Es stellt sich heraus, dass ein einziger Blick im Nu eine Ewigkeit erschaffen kann.
Mit dieser sanften Stimme und diesem liebenswerten Lächeln eröffnete er – einen langen Kreislauf der Wiedergeburt.
Viele Jahre später konnte Ye Chuhan, der unzählige Lebens- und Todeszyklen erlebt und Macht und Geld gemeistert hatte, diesen Moment nicht vergessen.
Denn in dieser sterblichen Welt gibt es kein so klares und reines Antlitz mehr.
Ein fünfzehnjähriges Mädchen, ganz in Weiß gekleidet wie eine blühende Schneeflocke, hielt eine silberne Peitsche in der Hand, ihr schwarzes Haar fiel wie Wolken herab. Sie hob ihre klaren, ruhigen Augen, um ihn anzusehen, und sagte dann leise zu ihm.
"Lotus, mein Name ist Lotus."
Abschnitt 2
Nacht.
Mond und Sterne sind spärlich.
Das Blumental jenseits der Großen Mauer.
Tief in der heißen Quelle, zwischen aufsteigendem Nebel und Wolken, erschaffen Pavillons und Türme eine Szenerie wie aus einem Märchenland. Exotische Blumen und seltene Kräuter blühen, und Pflaumenblüten fallen wie Schnee. Mondlicht taucht die dichte Blütenblattschicht am Boden in ein silbrig-weißes Licht.
In der westlichen Region des Tianshan-Gebirges, wo Eis und Schnee den Himmel bedecken, ist dieser Ort eine ganz andere Welt, wie ein Paradies auf Erden, vergleichbar mit einem Märchenland.
Dies ist der Wohnsitz von Ye Chuhan, dem Anführer der Tianshan-Schnee-Sekte.
Ein Mondfalter flatterte sanft und landete auf einem schlanken, glatten Finger. Seine leuchtend weißen Flügel bewegten sich leicht, und seine langen Fühler berührten die weiche Haut des Fingers.
Ye Chuhan hatte seinen Fuchspelzmantel abgelegt und stand groß und elegant da, seine Gesichtszüge waren schön und fein. Sanft streichelte er den Mondfalter, der auf seiner Fingerspitze saß, und ein zartes Lächeln umspielte sein unvergleichlich schönes Gesicht.
Alles hier gehört mir.
Das sagte er zu den Leuten, die hinter ihm standen.
Lotus stand hinter ihm.