Kapitel 75

Er küsste ihre Wange, ihr Haar, ihre Stirn, ihre Augenbrauen, ihren Arm und ihre kleine Hand…

Seine reine und unschuldige jüngere Schwester war der unerreichbarste Lichtblick in seinem dunklen Leben... Er konnte sie nicht loslassen; er wusste, dass er sie sein ganzes Leben lang nicht loslassen konnte...

Bai Rong, ein melancholischer zwölfjähriger Junge, küsst heimlich seine geliebte kleine Schwester in einem sonnendurchfluteten Zimmer. Seine Zuneigung ist so tief wie das Meer, als wäre sie seine einzige Hoffnung im Leben...

Seine verzerrte und obsessive Liebe wurde bereits enthüllt!

Knall--

In dem Moment, als die Tür aufgestoßen wurde, blickte die schockierte Bai Rong mit bleichem Gesicht auf.

Er sah das wütende Gesicht seines Vaters!

Der nächste Moment.

Plötzlich fühlte er, wie seine Arme leer wurden; seine schlafende kleine Schwester war von seinem Vater fortgebracht worden. Dann durchfuhr ihn ein stechender Schmerz in der Brust, als sein Vater ihn erbarmungslos wegstieß, gefolgt von einem verzweifelten Fluch.

"Tier!"

Er wurde von seinem Vater heftig getreten, und die erstickende Enge in seiner Brust veranlasste ihn zu einem heftigen Hustenanfall, wobei Blut herausspritzte und seine blassen Lippen purpurrot färbte.

Das wütende Gebrüll seines Vaters hallte in seinen Ohren wider und hämmerte heftig auf sein Trommelfell ein: „Du Bestie, was tust du deiner Schwester an?!“

Ein stechender Schmerz durchfuhr meine Brust.

Diese Schmerzwellen entfachten seine tief in ihm schlummernde Sturheit und Rebellion!

Bai Rong streckte die Hand aus und bedeckte die schmerzende Stelle. Er stand auf, blickte zu seinem wütenden Vater auf, und sein Blick wurde immer kälter. Zum ersten Mal blitzte ein scharfer, kalter Ausdruck in den Augen dieses zurückgezogenen Kindes auf.

"Vater, hast du es nicht gesehen? Ich küsse sie!"

Schnappschuss!

Bevor er ausreden konnte, schlug sein Vater ihm mit voller Wucht ins Gesicht, die schneeweiße, eisige Wange. Der Schlag schleuderte ihn durch die Luft, und sein Kopf knallte hart gegen das Bücherregal.

Der laute Knall weckte die kleine Schwester in den Armen ihres Vaters. Als sie die Augen öffnete, sah sie als Erstes ihren blutüberströmten Bruder. Sie brach in Tränen aus.

"Vater, schlag meinen Bruder nicht, schlag meinen Bruder nicht..."

Sie schreckte auf und wusste nicht, was geschehen war. Alles, was sie wusste, war, dass sie in den Armen ihres Vaters verzweifelt um sich trat und weinte, schrie und ihn anflehte, ihren Bruder nicht zu schlagen.

Sein Gesicht war mit warmem Blut bedeckt...

Ihm wurde schwindlig und seine Ohren klingelten. Er brach neben der Bibliothek zusammen, sein Kopf war blutüberströmt. Er hörte die panischen Schreie seiner jüngeren Schwester, seinen Vater, der aus seinem Zimmer kam, und dessen Gebrüll im Hof.

"Diesen Raum abriegeln!"

Von diesem Tag an war er in diesem dunklen Zimmer gefangen.

Die Familie Bai behauptet, er sei verrückt geworden, und niemand wagt es, sich dem Haus zu nähern. Die Bediensteten der Familie Bai bringen täglich nur durch ein kleines Fenster Essen herein…

Abgesehen davon herrschte in seiner Welt vollkommene Stille.

Ich weiß gar nicht, wie viele Tage vergangen sind...

Er lag allein in der Dunkelheit, doch in ihm loderte eine Flamme des Hasses. Er hasste die Familie Bai, er hasste sich selbst, er hasste seinen Vater…

Bis zu diesem Tag.

In der Dunkelheit hörte er draußen eilige Schritte. Das Geräusch ließ sein Herz einen Schlag aussetzen, und er riss erschrocken die Augen auf und stolperte auf das kleine Fenster zu, das die einzige Verbindung zur Außenwelt darstellte.

"älterer Bruder…"

Als die dunklen, leuchtenden Augen seiner jüngeren Schwester draußen vor dem kleinen Fenster erschienen, zitterte sein ganzer Körper, und eine Welle wilder Freude überkam ihn, die ihn beinahe in den Wahnsinn trieb.

„Xiaoxuan…“

„Ich gehe jetzt, Bruder.“ Die kleine Schwester draußen am Fenster sah ihn mit Tränen in den Augen und betrübtem Gesichtsausdruck an. „Ich habe Papa angefleht, dich gehen zu lassen. Er hat gesagt, er würde dich gehen lassen, solange ich zu Oma zurückgehe. Ich fahre mit Mama zu Oma nach Jiangnan.“

Er fühlte sich, als sei er in einen Eiskeller gefallen, und stand wie betäubt da.

Xiao Xuan stand draußen am Fenster und presste ihre Wange gegen die Scheibe, als wollte sie sie einschlagen. „Bruder, ich gehe gleich. Mach Papa nicht wütend, wenn du rauskommst. Papa schlägt ganz schön zu, wenn er wütend ist.“

"..."

„Papa sagte, Mama würde mich einem anderen Murong-Bruder vorstellen. Meine Onkel lachten mich alle aus und meinten, Xiaoxuan stünde kurz vor der Verlobung. Ich ignorierte sie. Xiaoxuan will diesen Murong-Bruder, den sie nicht kennt, nicht.“

"..."

Er stand da, wie betäubt, in der Dunkelheit, sein Gesicht von kalten Tränen überzogen…

"Bruder, warte auf mich, ich bin bald zurück."

Plötzlich verstummte ihre Stimme.

Bai Rong begriff plötzlich etwas, und sein Herz schmerzte furchtbar. Ohne nachzudenken, stürzte er zum Fenster und rief verzweifelt: „Xiao Xuan, geh nicht –!“

Das war das letzte Mal, dass er Xiaoxuan sah.

Seine geliebte kleine Schwester hockte mit gesenktem Kopf an der Steinmauer im Garten, umarmte fest ihre Knie und weinte unaufhörlich, bis sie kaum noch atmen konnte.

"Bruder, falls Xiaoxuan nicht zurückkommt, darfst du sie nicht vergessen. Du musst unbedingt nach ihr suchen!"

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