„Lotus, was versuchst du da?“
"Ich muss ihn retten!"
Die Antwort von Lotus war einfach, aber bestimmt.
Mit dem Rücken zum Verlies gewandt, hörte Zhan Yu hinter sich das Rascheln von zu Boden fallender Kleidung. Seine dunklen Augen blitzten unbeschreiblich komplex auf, als er die Zähne zusammenbiss und brüllte: „Im Verlies.“
In den Rissen der Steinplatten konnte man entsetzliches Blut langsam fließen sehen, und inmitten des allgegenwärtigen Blutgestanks waren die schwachen Schreie der Gefolterten zu hören.
Doch an diesem Ort herrschte eine unheimliche Stille.
Murong Yin lehnte schwach an der kalten Steinmauer, die Augen geschlossen, und hustete gelegentlich hellrotes Blut.
Plötzlich waren eilige Schritte zu hören, gefolgt vom Klirren der Ketten, die die Gefängnistür öffneten.
Jemand kam herein.
Murong Yin öffnete die Augen nicht. Er fühlte sich eiskalt, kaum atmen konnte er, und hellrotes Blut tropfte aus seinem Mundwinkel. Für einen Sterbenden war alles um ihn herum bedeutungslos.
„Murong Yin…“
Eine warme Hand berührte seine blutenden Lippen und wischte das Blut ab. In seinem verwirrten Bewusstsein hörte er das unkontrollierbare Zittern eines Mädchens.
"Es ist alles meine Schuld, es ist alles meine Schuld!"
Dieses Geräusch...
Benommen hörte Murong Yin Schluchzen, doch sein Atem wurde immer schmerzhafter. Seine Glieder waren kalt und schwach. Das Weinen des Mädchens wurde immer deutlicher. Es fühlte sich an, als hätten tausend Klingen seine Brust durchbohrt. Er spürte einen Blutschwall in seinem Hals, und im nächsten Augenblick wurde alles schwarz. Er verlor das Bewusstsein.
„Murong Yin –“
Lianhua stieß einen entsetzten Laut aus, als sie sah, wie Murong Yin mehrere Schlucke Blut erbrach und zusammenbrach. Hastig griff sie nach ihm und umarmte ihn fest. Sein ganzer Körper fühlte sich eiskalt an, und seine Atmung war so schwach, dass es schien, als würde er jeden Moment aufhören zu atmen!
Der einst so temperamentvolle, sanftmütige und allseits gepriesene Murong Yin befindet sich nun in einem so erbärmlichen Zustand, als wir ihn wiedersehen!
Seine missliche Lage war jedoch allein ihre Schuld. Sie nutzte seine Gutmütigkeit, seine Ehrlichkeit und seine Gefühle aus und versetzte ihm dann gnadenlos den Todesstoß!
Auch jetzt noch.
Er lag im Sterben und konnte jeden Moment sterben.
"Murong Yin, du kannst nicht sterben, du kannst nicht sterben –"
Sie rief verzweifelt nach ihm, doch Murong Yin, der in ihren Armen lag, wurde immer kälter, sein schwacher Atem war kaum noch hörbar.
„Murong Yin –!!“
Im düsteren und kalten Verlies.
Lianhua klammerte sich fest an Murong Yins kalten Körper, ihr Herz erfüllt von schmerzlicher Verzweiflung. Langsam spürte sie seinen Atem nicht mehr; er wurde eiskalt.
„Murong Yin, Murong Yin…“
Lotus rief ihn entsetzt an, ihre Augen zitterten plötzlich vor Angst, und heiße Tränen rannen ihr über das Gesicht.
„Stirb nicht! Ich flehe dich an, bitte stirb nicht. Wach auf! Ich schulde dir noch so viel. Wach auf, und ich werde dir alles zurückzahlen …“
"Er wird es nicht schaffen!"
Eine tiefe, hallende Stimme ertönte vom Eingang des Verlieses. Zhan Yu blickte auf Murong Yin, die in Lianhuas Armen lag, und mit einem einzigen Satz hatte er Murong Yin bereits zum Tode verurteilt.
"Du solltest wissen, dass noch nie jemand, der dieses Verlies betreten hat, lebend wieder herausgekommen ist!"
"NEIN!"
Lotus legte ihre Hand auf Murong Yins Brust. Sein ganzer Körper war eiskalt, nur sein Herz verströmte noch eine leichte Wärme. Er war nicht tot. Murong Yin, der in ihren Armen lag, war nicht tot!
"Ich will, dass er lebt!" Lianhua hob ihr tränenüberströmtes Gesicht und starrte Zhan Yu an, der an der Gefängnistür stand. Ihre Augen leuchteten hell wie unzählige Flammen.
„Ich werde Murong Yin auf keinen Fall am Schneetor des Tianshan sterben lassen!“
Ohne zu zögern senkte sie den Kopf und begann, ihr weißes Hemd aufzuknöpfen...
Zhan Yu zuckte plötzlich zusammen und wandte Lianhua, die gerade ihre schneeweißen Gewänder aufknöpfte, hastig den Rücken zu. Unbewusst umklammerte er das Qingming-Schwert in seiner Hand und zischte:
„Lotus, was versuchst du da?“
"Ich muss ihn retten!"
Die Antwort von Lotus war einfach, aber bestimmt.
Mit dem Rücken zum Kerker hörte Zhan Yu hinter sich das Rascheln von Kleidung, die zu Boden fiel. Seine dunklen Augen blitzten mit einem unbeschreiblichen, komplexen Leuchten auf, als er die Zähne zusammenbiss und brüllte:
"Du Verrückte! Er ist jetzt nur noch ein Gefangener der Tianshan-Schneesekte, und das alles nur wegen ihm –"
„Ihm ist es zu verdanken, dass es sich lohnt, das zu tun!“
Zhan Yu erstarrte, und hinter ihm –
Lotus senkte den Kopf, legte ihre Kleider ab und entledigte sich Murong Yins leuchtend gelbem Gewand. Sie umarmte seinen kalten Körper mit ihrem warmen Körper und übertrug ihm ihre Körperwärme, damit er sich allmählich erwärmte.
Sie hielt ihn fest im Arm, als er im Sterben lag, ihre Haut nackt und aneinander gepresst. Heiße Tränen rannen ihr über die Wangen, während sie ihm immer wieder seinen Namen ins Ohr flüsterte.
"Murong Yin, du musst leben! Du darfst nicht sterben! Du darfst nicht sterben!"
Unzählige Tränen rannen über Murong Yins bleiches, aschfahles Gesicht.
Lotus vergrub ihr Gesicht an seiner noch warmen Brust, und ein unkontrollierbares Schluchzen entfuhr ihren Lippen, als sie durch ihre bitteren Tränen seinen Namen rief.