Das Kerzenlicht war schwach.
Ein paar schwarze Haarsträhnen fielen Murong Yin ins Gesicht. Lianhua, die in der Nähe wartete, sah dies und strich ihr mit ihren schlanken Fingern die Strähnen glatt. Murong Yins Schulter zuckte jedoch leicht.
Er wachte auf.
Lotus sah ihm beim Öffnen der Augen zu, und sein Anblick der klaren, blauen Augen ließ ihr Herz einen Schlag aussetzen. Plötzlich füllten sich ihre Augen mit warmen Tränen.
Lotus zog hastig ihre Hand zurück.
Sie drehte sich um und versuchte wegzulaufen.
Murong Yin blickte sie mit ungewöhnlicher Ruhe an, ein leises Lächeln lag in seinen Augen, aufrichtig und warmherzig: „Lotus.“
Lotus drehte sich schließlich um und sah ihn an.
Im Zimmer flackerte Kerzenlicht.
Murong Yins Blick ruhte auf Lianhuas leicht blassem Gesicht, und seine Stimme war sanft und liebevoll: „Warum sind deine Augen rot? Hast du geweint?“
Lotus berührte ihre Wange und flüsterte: „Das habe ich nicht.“
Sie bestritt es.
Er hakte nicht weiter nach, sondern lächelte nur sanft und elegant: „Soll ich Ihnen beibringen, wie man eine Figur schreibt?“
Das schneeweiße Papier lag flach auf dem Schreibtisch.
Die nächtliche Brise wehte sanft durch das Fenster und ließ den langen Mantel, der auf dem Stuhl lag, lautlos im Wind schwingen.
Lianhua spürte, wie das schneeweiße Papier vor ihren Augen wie Schnee dahinschmolz. Sie wagte sich nicht zu bewegen und spürte nur die Wärme von Murong Yins Atem an ihrem Ohr.
Er nahm sanft ihre Hand in seine, seine weiten Ärmel bedeckten ihr schneeweißes Handgelenk. Langsam schrieb er mit einem in dicke Tinte getauchten Pinsel ein Wort auf das Papier, jeder Strich so leicht wie ein Flüstern.
Yin.
Das war sein Name, Murong Yin.
Murong Yins Stimme war so nah, so klar: „Das ist mein Name, Murong Yin.“
Die Lotusblume befand sich in seinen Armen.
Sie spürte, wie ihr Herz wie eine Trommel pochte, ihre Handflächen stark schwitzten, ihr schneeweißer Hals wie Jade glänzte und ihr zartes Gesicht sich allmählich rot färbte.
Er blickte sie an.
Im flackernden roten Kerzenlicht strahlte ihr gerötetes Gesicht wie eine Pfirsichblüte.
Sie senkte den Kopf und gab so einen Blick auf ihren anmutigen, jadegrünen Hals unter dem Kragen frei, von dem ein zarter Duft ausging.
Endlich.
Murong Yin drehte den Kopf und küsste sanft ihr Haar an der Schläfe. Seine warmen, schmalen Lippen glitten langsam ihre Schläfe hinab und berührten ihre geröteten Wangen.
Lotus ballte die Finger zur Faust, ihr Körper begann leicht zu zittern, und ihre Atmung wurde unregelmäßig.
Murong Yins Lippen waren überraschend warm. Er küsste sie sanft, und die zärtliche, liebevolle Wärme drang in ihre Haut ein und ließ langsam die Kälte in ihrem Herzen schmelzen.
Gerade als er im Begriff war, ihre blütenblattweichen Lippen zu berühren, hielt Murong Yin inne.
Er kam näher an sie heran, seine klaren Augen blickten intensiv in Lotus' wässrige Augen. „Lotus, heirate mich, lass mich mich für den Rest meines Lebens um dich kümmern, okay?“
Lotus' Gedanken waren für einen Moment wie leergefegt.
Murong Yins hübsches Gesicht hatte einen ernsten Ausdruck, und seine Stimme war wie immer sanft und warm.
Lotus starrte ihn ausdruckslos an.
In dieser Welt besteht das Glück, von dem so viele Frauen träumen, darin, ihren Hochzeitsnachtschleier abzulegen und dem Ehemann gegenüberzustehen, mit dem sie den Rest ihres Lebens verbringen werden, mit einem sanften und bewegenden Lächeln inmitten flackernder roter Kerzen.
Es stellte sich heraus, dass sie sich nichts sehnlicher wünschte als einen glücklichen und warmen Traum.
Sie wäre auch dann zufrieden, wenn sie diesen Traum nur für kurze Zeit hätte.
Im ruhigen und stillen Arbeitszimmer.
Lotus blickte Murong Yin vor sich an und lächelte sanft, ihr Lächeln so strahlend wie eine blühende Lotusblume. Ihre sternenklaren Augen waren so klar wie Herbstwasser, erfüllt von reiner, makelloser Zärtlichkeit.
"Gut."
"Lotus……"
Murong Yin spürte ein warmes Kribbeln in seiner Brust, und auf seinem hübschen Gesicht erschien unverhohlene Freude, als er die sanfte Frau fest in seine Arme schloss.
"Ich werde morgen zu meinen Eltern gehen und ihnen sagen, dass ich dich heiraten möchte."
Lotus kuschelte sich in Murong Yins Arme und lächelte leicht: „Okay.“ Sie hielt einen Moment inne, dann lächelte sie bitter: „Es ist nur schade, dass ich eine Waise bin und keine Verwandten habe, denen ich es erzählen kann.“
Murong Yin war einen Moment lang verblüfft, doch nach einer Weile umarmte er die Frau in seinen Armen einfach noch fester, seine Stimme sanft und mild, als würde er flüstern.
„Lotus, du hast mich jetzt.“
Am nächsten Tag.
Es dämmerte.
Murong Yin brachte den Lotus zur Neun-Bogen-Brücke.
Lotus war verwirrt, doch dann sah sie mehrere Laternen aus Seidenpapier, die auf der gewundenen Brücke über dem Lotusteich angebracht waren. Sie war etwas überrascht und wandte sich Murong Yin zu.