Kapitel 10

"Weißt du denn wirklich nicht... warum ich hierher gekommen bin?"

Wie konntest du das nicht wissen...?

Könnte es sein...?

Du hast es wirklich vergessen...

Draußen vor dem Fenster war der Nachthimmel tief, das Mondlicht glänzte wie Wasser, Blumen und Bäume standen üppig, das Tal war erfüllt von einem betörenden Duft, das Rauschen des fließenden Wassers schien endlos, und die Blumen fielen wie Regen auf den Boden.

Lotus schloss sanft die Augen.

Unzählige Bilder schossen mir in einem Augenblick durch den Kopf...

...

...

Lotusteiche in der Landschaft von Jiangnan...

Blühende Lotusblumen...

Smaragdgrüne Lotusblätter, glitzernd von Wassertropfen; unter den Blättern eine Lache aus... Blut...

Das kleine Mädchen, blutüberströmt, zitterte, während sie den Leichnam ihrer Mutter umklammerte, Tränen strömten ihr über das Gesicht, und sie starrte entsetzt auf die prächtige Sänfte vor ihr.

Der Vorhang der Sänfte wurde gelüftet und gab den Blick auf einen jungen Adligen in frostweißen Gewändern frei. Seine sanften, wässrigen Augen spiegelten tiefes Mitgefühl und Mitleid wider. Er blickte das weinende kleine Mädchen an und sagte leise:

"Jetzt ist alles wieder gut, weine nicht."

Er rettete ihr Leben.

Er bestattete ihre verstorbene Mutter ordnungsgemäß und sorgte dafür, dass ihr Leichnam nicht in der Wildnis verrottete.

Im nebligen, sanften Regen von Jiangnan, vor dem Grabstein ihrer Mutter, blickt der junge Adlige, gekleidet in makellos weiße Gewänder, auf das zitternde kleine Mädchen; sein Auftreten ist kultiviert, elegant und strahlend.

„Wenn du ganz allein und hilflos bist, kann ich dich zurück zum Schneetor des Tianshan bringen. Ich werde gut für dich sorgen. Solange ich hier bin, wird dich niemand auf der Welt jemals wieder schikanieren.“

...

...

Draußen vor dem Fenster war noch immer das Rauschen von fließendem Wasser zu hören.

Es war spät in der Nacht.

Lotus schloss die Augen, ihr Atem ging gleichmäßig und ruhig, als wäre sie bereits in einen Traum eingetreten.

Unter ihren warmen Pelzmänteln schliefen sie ineinander verschlungen und konnten sich endlich gegenseitig wärmen. Draußen vor dem Fenster waren alle Blumen verblüht, Rauch hüllte die Pavillons ein, und die Wasseruhr tropfte leise.

In jener Nacht war es überhaupt nicht kalt...

Im Morgengrauen.

Als die schönen Dienerinnen aus dem Ostgarten wie gewöhnlich eintraten, um Ye Chuhan zu bedienen, standen alle erstaunt da, verwirrt und unsicher, was sie tun sollten.

Ye Chuhan ist aufgewacht.

Er lehnte sich an das weiche Sofa, ein Lächeln umspielte seine Lippen, den Blick auf Lianhua gerichtet, der noch immer in einen schneeweißen Pelzmantel gehüllt in seinen Armen lag. Lianhua atmete ruhig und war noch nicht erwacht.

Gerade als die Dienstmädchen noch vor der Tür standen, ertönte von draußen durchs Fenster eine klare Stimme: „Zhan Yu, der Leiter der Tianxuan-Halle, ist gekommen, um den Befehl entgegenzunehmen.“

Ye Chuhan lächelte schwach: „Hallenmeister Zhan, bitte treten Sie ein.“

Als das Mädchen, das in den schneebedeckten Mantel gehüllt schlief, in Zhan Yus Blickfeld trat, blieb die Ruhe in seinen tiefen Augen unverändert, als hätte er sie überhaupt nicht gesehen.

Er kniete auf einem Knie, sein außergewöhnlich schönes Gesicht trug einen kalten und entschlossenen Ausdruck. „Ich frage mich, was Euch hierher führt, Sektenmeister?“

Ye Chuhans lange, elegante Augen blitzten schelmisch auf, als er lächelte: „Ich werde in den nächsten Tagen alle Angelegenheiten der Tianshan-Schneesekte Hallenmeister Zhan anvertrauen. Die 36 Sekten der Nordgrenze weigern sich noch immer, sich der Tianshan-Schneesekte zu unterwerfen. Hallenmeister Zhan, Ihr werdet entscheiden, wie mit ihnen umzugehen ist!“

Zhan Yu senkte den Kopf. „Ja, ich werde mein Bestes tun, um diese Angelegenheit zu regeln.“

Ye Chuhans Finger glitten sanft unter den schneeweißen Pelzmantel auf das zarte, blütenblattartige Gesicht des Mädchens. Er lächelte träge: „Schade, dass Lotus dir nicht mehr helfen kann; sie bleibt bei mir.“

Im Ostgarten.

Der Raum war vom Duft von Blumen erfüllt.

Zhan Yu in Schwarz ist bereits gegangen.

Unter dem schneebedeckten Gewand öffnete das Mädchen, das die ganze Zeit geschlafen zu haben schien, plötzlich die Augen und blickte Ye Chuhan an: „Kannst du jetzt meine Druckpunkte lösen?“

Ye Chuhan kicherte und blickte zu ihr hinunter: „Nicht jetzt…“

Lotus runzelte die Stirn.

Ye Chuhan konnte sich schließlich ein Lachen nicht verkneifen. Er hob das Mädchen im schneeweißen Pelzmantel hoch, sein Blick vertraut und vieldeutig: „Wer mag dich wohl mehr, ich oder Zhan Yu?“

Lotus' Augen verdunkelten sich leicht. „Spielt der Sektenführer etwa nur mit mir und Zhan Yu?“

Ye Chuhan lächelte leicht, ihr Lächeln voller Zuneigung und Charme: „Wie könnte ich es ertragen, mit dir zu spielen? Hast du keine Angst, dass ich unglücklich werde, wenn du Zhan Yu zu nahe kommst? Hast du vergessen, dass du meine geliebteste Lotusblume bist?“

"Mein Favorit?"

„Natürlich bist du meine Lieblingstochter …“ Ye Chuhan lächelte leicht, senkte den Kopf und berührte sanft das helle Gesicht des Mädchens mit seinen Lippen. „Auf der ganzen Welt liebe ich niemanden außer dir. Das solltest du mir glauben.“

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