Er sah zu, wie Lotus die Augen schloss.
„Schlaf friedlich.“ Ye Chuhan blickte ihn mit zärtlichster Liebe an, ein Lächeln umspielte ihre Lippen. „Ich werde dich in meinen Händen zur vollkommensten und makellosesten Lotusblume formen. Was auch immer geschieht, du wirst immer meine Lotusblume sein.“
Lotus stand inmitten einer Schneedecke, ihr helles Gesicht schien aus Schnee geformt, während ihr weiches, dunkles Haar über ihren Fuchspelzmantel fiel und einen markanten Kontrast zwischen Schwarz und Weiß erzeugte.
Ye Chuhan beobachtete sie schweigend.
Es war wie eine Illusion; die Lotusblüten glichen nun Hibiskus-Tautropfen in einem Birnenblütenkelch, kristallklar, und doch würden sie bei der geringsten Berührung eines Fingers zerbrechen...
Deshalb wagte er es nie, sie auch nur im Geringsten zu berühren.
"Geh Zhan Yu nicht zu nahe."
Eine sanfte Stimme drang an ihr Ohr; Ye Chuhan kicherte leise: „Weißt du, selbst wenn es um die Ausführung einer Mission geht, rege ich mich immer noch auf…“
"……Ja."
„Vergiss nicht, ich habe dir vor drei Jahren gesagt, dass alles hier, einschließlich dir, mir gehört.“
Lotus hörte auf zu sprechen, was bedeutete, dass sie sich erinnerte.
„Sie ist wahrlich meine liebliche Lotusblume.“ Ye Chuhan lächelte und strich ihr liebevoll über das lange, schwarze Haar, dessen glatte Strähnen ihm durch die schlanken Finger glitten.
"Ich spiele dir die siebensaitige Laute vor."
Er hüllte sie in einen schneeweißen Pelzmantel, ging zu dem mit Weihrauchrauch gefüllten Räuchergefäß, gab eine Handvoll Benzoeharz hinzu, das eine beruhigende Wirkung hat, drehte sich dann um und ging hinaus.
Die Tür zum Zimmer schloss sich leise.
Kurze Zeit später.
Die Musik der siebensaitigen Zither drang von fern herüber, klar und rein wie Schneeflocken, melodisch wie Jadeklingeln, mal hoch aufsteigend, mal sanft und zart, wie ein Gesang aus längst vergangenen Zeiten. Doch um deinetwillen bleibt der Frost unverändert …
Neben dem Thermalbecken zupfte Ye Chuhan die siebensaitige Zither, und auf den sanften Saiten erklang die Melodie von „Hohe Berge und fließendes Wasser“...
Im Haus erfüllte der Duft von Benzoeharz den schlichten, aber eleganten Raum. Das Mädchen auf dem weichen Sofa, in einen schneeweißen Pelzmantel gehüllt, schloss die Augen und atmete schwer, während die Musik der siebensaitigen Zither erklang.
Schließlich ist sie eingeschlafen.
...
...
Im Juni blühen in Jiangnan überall auf den Lotusteichen Lotusblumen.
Auf dem saftigen Gras kauerte ein acht- oder neunjähriges Mädchen neben einer sterbenden Frau, ihr schmutziges Gesicht glänzte von Tränen, und sie schob die am Boden liegende Frau mit aller Kraft.
"...Mutter...Mutter..."
Die Frau atmete jedoch bereits sehr schwach, und egal wie sehr sie presste, die abgemagerte Frau konnte keinen Laut von sich geben.
„…Mutter…Mutter…“ Das kleine Mädchen weinte so heftig, dass sie kaum atmen konnte, ihr ganzer Körper zitterte. „Mutter, wach auf! Vater hat gesagt, wir müssen weglaufen. Mutter kann hier nicht schlafen…“
"...Xuan'er..." sprach die am Boden liegende Frau mit zitternder Stimme ihre letzten Worte: "Du musst dich erinnern... niemals... jemandem... deinen Namen zu sagen... du musst... leben..."
Die Anwesenheit der Frau war vollständig ausgelöscht...
„Mutter—!!“ Das kleine Mädchen packte die allmählich abkühlende Hand der Frau und schrie vor Entsetzen auf.
Jedoch.
Gegenüber dem Lotusteich in der Wildnis standen vier Gestalten. Diese vier Personen hatten seltsame Formen, und jedes Gesicht wirkte unbeschreiblich lüstern und furchterregend, mit einem grausamen und gleichgültigen Lächeln auf jedem einzelnen.
"Wer auf der Welt kann den Klauen der Vier Blutschatten entkommen?"
„Solange wir diese beiden Personen zurückbringen, erhalten wir natürlich auch die Belohnung. Schade, dass die junge Dame tot ist und ich mich nun die Mühe machen muss, sie zurückzutragen.“
Der andere Mann spottete: „Die vierte Schwester ist wahrlich ein Schwein im Menschenkopf. Wozu der ganze Aufwand? Lasst uns ihr einfach den Kopf abschneiden und ihn zurückbringen!“
Jemand klatschte in die Hände und lachte, ein furchterregendes Lachen: „Es scheint, dass von uns vier Brüdern der zweite immer noch der klügste ist.“
Sie blickten sich lachend um und sagten grausame Dinge, ohne jegliches Mitgefühl oder Mitleid für die tote Frau und das zerbrechliche Mädchen zu zeigen.
Das zarte Mädchen kniete neben der Leiche ihrer Mutter. Sie blickte zu den vier Personen auf, Tränen rannen ihr über das Gesicht, doch ihre kleinen Hände umklammerten den kurzen Dolch in ihrer Brust fest.
Seine klaren Augen brannten mit einer heftigen und entschlossenen Flamme...
Solange sie noch atmen konnte, würde sie niemanden die Leiche ihrer Mutter berühren lassen!
es sei denn.
Sie ist tot!
Im Lotusteich blühen Lotusblüten und wiegen sich sanft im Nieselregen.
Der leichte Regen, der wie Nebel wirkte, verlieh dieser verlassenen Landschaft einen Hauch von Trostlosigkeit und Hilflosigkeit.
...
...
Lotus erwachte plötzlich aus ihrem Traum.
Sie berührte ihr Gesicht und war überrascht festzustellen, dass es ohne ihr eigenes Bemerken mit kalten Tränenspuren bedeckt war.
Im goldenen Räuchergefäß in Tierform war das Benzoeharz längst verbrannt. Draußen vor dem offenen Fenster hatte die Nacht das gesamte Blumental eingehüllt, und das Tal war erfüllt von Duft, wie ein Märchenland.
Sie schlief einen ganzen Tag und eine ganze Nacht.