Ye Chuhan starrte fassungslos auf die Lotusblume, die an den Steinstuhl gefesselt war. Er schien nicht zu verstehen, was die Lotusblume sagen wollte, doch ihre Tränen flossen so aufrichtig und voller Inbrunst…
All das...
Was genau ist passiert...?
Vor zehn Jahren...
Was geschah vor zehn Jahren...
Ye Chuhan schien plötzlich einen Schlag ins Herz bekommen zu haben.
Seine eleganten Augen leuchteten plötzlich auf, und er hob sie, um die tränenüberströmte Lotus anzustarren, seine Stimme wurde unmerklich fester: „Du meinst... vor zehn Jahren!“
Lotus blickte mit tränengefüllten Augen zu ihm auf.
Der benommene Ausdruck in Ye Chuhans Augen verschwand langsam und hinterließ nur noch einen scharfen, durchdringenden Blick. Er beugte sich hinter sie, seine lange, kalte Hand ruhte noch immer in ihrem Haar, während sein Kopf tief in ihrem weichen, zarten Hals vergraben war.
Lotus' Körper versteifte sich plötzlich.
Er kicherte leise.
Lotus hörte ihn lachen, als hätte er das Lächerlichste auf der Welt gesehen. Er lachte so heftig, dass sein ganzer Körper unkontrolliert zitterte. Sein Lachen wurde lauter und kälter.
Angesichts der traurigen Lotusblume lachte er tatsächlich durch seine Tränen hindurch.
„Zusammenbleiben bis ins hohe Alter, einander niemals den Rücken zukehren…“
Er hob den Kopf aus der warmen Halsbeuge der Lotusblume, seine bezaubernden Augen waren mit einer fast durchsichtigen Feuchtigkeit gefüllt, wie ein verführerischer weißer Nebel, und seine weichen Lippen waren voller Zärtlichkeit.
„Lotus, deshalb bist du also so viele Jahre an meiner Seite geblieben!“
"..."
"Aber……"
Ye Chuhan richtete sich langsam auf und stellte sich hinter sie. Ihre sanfte und bezaubernde Stimme war so leicht wie ein Schmetterlingsflügel, doch sie traf Lotus' Herz mit ungeheurer Wucht.
„Lotus, du irrst dich … Du wirst bald erkennen, dass du in dem Moment, als du vor drei Jahren das Schneetor des Tianshan betreten hast, einen Fehler begangen hast, den du in deinem ganzen Leben nicht mehr rückgängig machen kannst –“
Ye Chuhans Augen waren kalt und scharf!
Schnapp!
Er schlug beiläufig mit der Handfläche gegen die Lehne des Steinstuhls, auf dem sie saß, und der mit Lotusblumen verzierte Steinstuhl glitt unter der Wucht seines Handflächenschlags mit hoher Geschwindigkeit geradeaus über den Steinboden.
gleichzeitig.
Lautlos hoben sich seine schneeweißen Ärmel, und die Flamme einer einzelnen Lampe verwandelte sich augenblicklich in mehrere verstreute Flammencluster, die zu den verschiedenen Kerzen an der Steinmauer flogen.
Alle Lichter im Zimmer waren eingeschaltet.
In dem Moment, als der lotusförmige Steinstuhl zum Stillstand kam, wurde der dunkle Raum plötzlich von einem Lichtblitz erhellt.
Die Steinbank blieb abrupt stehen!
Es ist wie eine tiefe, dunkle Schneehöhle!
Vor Lotus' Augen war das Licht taghell. Dieser blitzartige Lichtschein drang tief in ihre Augen, verletzte ihre Pupillen und hinterließ einen Schmerz, den sie ihr Leben lang nicht vergessen würde.
Eine Gestalt spiegelte sich in ihren Pupillen!
Lotus, an den Steinstuhl gefesselt, starrte ausdruckslos auf die blasse Gestalt vor ihr, ihre schockierten Augen offenbarten eine durchsichtige Leere.
Ihre Lippen, weich wie Blütenblätter, verloren ihren letzten Farbschleier und ließen nur noch eine atemberaubende Linie aus Schneeweiß zurück.
Ye Chuhan stand hinter ihr.
Er blickte sie nicht an; sein Blick blieb auf das flackernde rote Kerzenlicht gerichtet. Sein schönes Gesicht, vom Kerzenlicht erhellt, ähnelte dem eines grausamen und gleichgültigen Dämons aus der Unterwelt.
Er öffnete den Mund und fragte lächelnd: „Verstehst du jetzt?“
Lotus riss verzweifelt die Augen auf. Ihr Körper zitterte heftig wie der eines verlorenen kleinen Tieres, ihr Blick war leer, und weitere Tränen rannen ihr über das Gesicht…
Ihr gegenüber stand eine bleiche Gestalt, die ebenfalls an einen Steinstuhl gefesselt war.
Diese Person hatte genau dasselbe Gesicht wie Ye Chuhan, war ebenso unvergleichlich schön, mit denselben langen, eleganten Augen und denselben schneeweißen Gewändern...
Der einzige Unterschied besteht in Ye Chuhans einnehmendem Charme und seiner sanften Ruhe.
In dem hellen Steinhaus saß ein blasser Mann still auf einem Steinstuhl, wie eine Jadestatue. Sein langes, schwarzes Haar ergoss sich wie ein sprudelnder Quell über seine weiße Kleidung, während ein sanftes Lächeln seine Lippen umspielte.
Sein Kopf war leicht zur Seite geneigt, seine Augen geschlossen, als wäre er in einen tiefen Schlaf gefallen...
Ye Chuhan stand hinter ihr und drehte langsam den Kopf, um sie und die andere Person, die auf dem Steinstuhl saß, anzusehen; ihre Stimme war eiskalt.
„Er ist mein Zwillingsbruder Ye Chuxue. Vor neun Jahren kehrte er aus Jiangnan nach Tianshan Xuemen zurück. Ich habe nur einen kleinen Becher vergifteten Weins benutzt, um ihn für immer hier schlafen zu lassen.“
Moment.
Lotus hatte alles verstanden.
Es stellte sich also heraus... als er sie vor neun Jahren verließ und nie wieder zurückkam, lag es nicht daran, dass er nicht wollte, sondern daran, dass er nie zurückkehren konnte.