Kapitel 193

Im Nu veränderte sich der Gesichtsausdruck aller Anwesenden drastisch. Was würde es bedeuten, wenn die schwarze Lichtkugel explodierte und den darin enthaltenen schwarzen Blitz freisetzte? Jeder wusste genau, dass die gesamte Bar von dem gewaltigen elektrischen Feld augenblicklich dem Erdboden gleichgemacht würde und außer den beiden Mächtigen niemand überleben würde. Theodores Gesicht wurde aschfahl: „William, willst du dich etwa gegenseitig vernichten?“

Ein Rinnsal dunklen Blutes rann aus Herzog Williams Mundwinkel. Er schwieg und hämmerte stattdessen noch heftiger und schneller auf die schwächste Stelle des gefalteten Raumes ein. Das mächtige dunkle mentale Kraftfeld presste die Strukturpunkte der Barriere beinahe zusammen und drohte, sie im Bruchteil einer Sekunde zum Einsturz zu bringen. Theodore, der alles akribisch geplant hatte, hatte beim Betreten der Barriere alle Ausgänge versperrt. William blieb nichts anderes übrig, als sich gewaltsam den Weg freizukämpfen und die Barriere dabei zu zerschmettern. Zum Glück war er von herzoglicher Stärke; diese mächtige und bizarre Barriere war ihm nicht gewachsen.

Mit einem knackenden Geräusch, wie von zerbrechendem Glas, zeigte die Barriere nach Duke Williams verzweifeltem Hämmern endlich einen winzigen Riss. Duke Williams Schatten verwandelte sich augenblicklich in einen schwarzen Rauchwölkchen und schlüpfte durch den weniger als einen Zentimeter breiten Spalt.

„Theodore, mach dir keine falschen Hoffnungen. Entweder du nutzt dein verdammtes heiliges Licht, um meinen dunklen Blitz zu bändigen, oder du bist bereit, mit dem Leben aller zu bezahlen, um mich zu töten. Ich kenne die Schwächen in euren heuchlerischen Herzen. Ihr könnt es nicht ertragen, eure Untergebenen sterben zu sehen, und mich könnt ihr auch nicht töten. Das habe ich mir gemerkt. Wartet nur ab, wir vom Clan des Dunklen Blutes werden uns an eurem Schiedsrat blutig rächen!“

Jenseits der Barriere hallte Herzog Williams zornige Stimme durch die Luft und verhallte allmählich in der Ferne. Offenbar floh William in aller Eile, während er sprach. Als stolzer und mächtiger Vampir-Großherzog waren die wiederholten Fluchten ein Schlag für seine Eitelkeit, doch er hatte keine Wahl; kämpfte er für seine Ehre, riskierte er sein Leben.

Theodore, der stellvertretende Hauptschiedsrichter, trug einen finsteren Gesichtsausdruck, wie dunkle Wolken vor einem Sturm. Er hatte nicht damit gerechnet, dass William diesen Trick anwenden würde. Hätte er sein Licht-Geistesfeld nicht eingesetzt, um den schwarzen Blitz zu kontrollieren, hätte er William vielleicht abfangen können, doch die drei Schiedsrichter hinter ihm wären mit Sicherheit umgekommen, und die beiden Mädchen in der Ecke wären vermutlich ebenfalls getötet worden. Und wenn die Macht des dunklen Blitzes nachgelassen hätte, wäre Herzog William womöglich sogar ins Meer entkommen.

Ihm fehlte Herzog Williams rücksichtslose Entschlossenheit, die ihn fähig machte, das Leben der Marquise Banier und Gaia zu missachten. Jeder Schiedsrichter war für den Schiedsrat von unschätzbarem Wert; verloren ging er nur schwer. Übermenschen waren selten genug, doch jene mit tiefem Glauben an Gott noch seltener. Anstatt einen Vampirherzog womöglich zu verletzen oder gar zu töten, war es besser, das Leben seiner drei unschätzbaren Untergebenen zu schützen. Andernfalls würde Theodor, selbst wenn er Herzog William tötete, bei seiner Rückkehr zum Schiedsrat wohl keine Belohnung erhalten; er hätte vielleicht sogar Glück gehabt, ungeschoren davonzukommen.

Tatsächlich wollte William seine beiden Untergebenen nicht etwa nicht retten, doch er befand sich selbst in einer verzweifelten Lage und hatte keine andere Wahl, als die beiden unglücklichen Marquis im Stich zu lassen. Trotzdem wurde William von der Heiligen Flamme des Lichts schwer verletzt und würde mindestens ein bis zwei Jahre brauchen, um sich zu erholen. Die Vampire erlitten einen enormen Verlust, und die Familie Remore verlor all ihre Elite und würde sich lange Zeit nicht davon erholen können.

Mit einem frustrierten Seufzer streckte Theodore einen Finger aus, und ein sanftes, heiliges Licht ging von seiner Fingerspitze aus und verwandelte sich augenblicklich in ein gewundenes, milchig-weißes Lichtband, das sich langsam um die schwarze Lichtkugel legte, die im Begriff war, auszubrechen. Die Kraft der Heiligen Flamme des Lichts schwächte sich allmählich ab, um einen noch heftigeren Ausbruch dunkler Blitze zu verhindern.

Die schwarze Lichtkugel verhinderte ihre Ausdehnung und drohte zu platzen, doch das allgegenwärtige heilige Licht unterdrückte diese Kraft und hielt sie präzise bis an den Rand der Explosion. Gleichzeitig schwächte es die Kraft des schwarzen Blitzes langsam, wie man Schicht für Schicht einen Kokon abstreift. Mit jeder Umdrehung des Lichtbandes schrumpfte die schwarze Kugel, ihr dunkler Glanz verblasste allmählich, bevor sie weiter zu schrumpfen begann.

Wenige Minuten später zog Theodor das heilige Licht schließlich zurück. Der Lichtstrahl beschrieb eine perfekte S-Form im Raum, bevor er in Theodors Hand zurückfloss. Die schwarze Lichtkugel war zu einem hellen schwarzen Punkt geworden, der unter dem Blick der Lichtkraft aufblitzte und im Nu verschwand.

„Dem Herrn sei Dank für seine Herrlichkeit, die es mir erlaubt, die bösen Geschöpfe der Finsternis zu vernichten. Amen.“ Theodors Gesichtsausdruck wurde ernst. Andächtig bekreuzigte er sich, faltete die Hände und sprach langsam. Dann begann er undeutlich ein unbekanntes Lied zu singen.

Die drei Richter hinter ihm nahmen ebenfalls diese Haltung ein, senkten die Köpfe und schlossen die Augen, während sie Lobgesänge zu Gott anstimmten.

Xiao Rou und Xia Lan wechselten Blicke. Beide Frauen waren welterfahren und gebildet, doch keine von ihnen hatte je zuvor mit dem Schiedsinstitut zu tun gehabt. Die besondere Zeremonie der Schiedsrichter weckte in ihnen natürlich Neugier und Neuartigkeit. Zudem bemerkten beide gleichzeitig, dass die Lichtwirkung nach dem Gesang des Hymnus durch Theodore und die anderen tatsächlich stärker geworden war. Diese Aura vermittelte ein außergewöhnlich warmes, behagliches und helles Gefühl und besaß sogar eine fast heilige Qualität, die die Seele reinigte. Einen Moment lang fühlten sie sich beide erfrischt und gestärkt.

„Ehrwürdiger Vize-Hauptschiedsrichter Theodore und die drei Schiedsrichter, ich grüße euch! Ich bin Xia Lan, die stellvertretende Leiterin der Gruppe Eins vom Hauptquartier der Chinesischen Supermacht. Das ist meine Freundin Gu Xiaorou. Wir waren hier von Vampiren und Berserkern gefangen. Dank eurer Rettung konnten wir entkommen. Herzlichen Dank!“ Nachdem die vier ihre Rede beendet hatten, trat Xia Lan sofort vor, stellte sich und Gu Xiaorou lächelnd vor, bedankte sich und erwähnte ausdrücklich das Hauptquartier der Supermacht. Obwohl das Schiedsinstitut stets für sein ruhmreiches und positives Image bekannt war, wer wusste schon, ob dort angesichts des Himmlischen Auges nicht auch gierige Raubgedanken schlummerten? Daher schwang in Xia Lans Worten auch ein Hauch von Test mit.

Theodor und die drei Richter waren gleichermaßen verblüfft. Sie hatten nicht erwartet, dass diese beiden atemberaubend schönen jungen Frauen tatsächlich Übermenschen aus dem chinesischen Hauptquartier für Übermenschen waren. Welch ein Zufall! Theodor blieb relativ gelassen, doch die Augen der drei Richter leuchteten auf. Offenbar hatten die beiden anmutigen und schönen jungen Frauen sie tief beeindruckt. Obwohl sie gottesfürchtig waren und asketischen Lehren folgten, hinderte dies die jungen Richter nicht daran, Schönheit zu suchen.

„Ach, Sie sind also Frau Xia Lan vom Hauptquartier der Chinesischen Supermacht. Entschuldigen Sie bitte, dass ich Sie nicht früher erkannt habe.“ Theodore war einen Moment lang verblüfft, fasste sich aber schnell wieder und lächelte schwach. „Vor über zehn Jahren begleitete ich den Obersten Schiedsrichter zu einem Treffen mit Ihrem Chefausbilder Tang Tiejin. Herr Tang hat mich sehr beeindruckt. Das Hauptquartier der Chinesischen Supermacht und das Schiedsinstitut pflegen seit jeher gute Beziehungen. Es ist mir eine große Ehre, Ihnen heute helfen zu können.“

Xia Lan war überglücklich und endlich erleichtert. Theodores Verhalten ließ darauf schließen, dass das Schiedsinstitut und das Hauptquartier der Supermächte ein gutes Verhältnis pflegten. Außerdem schien Theodore nichts von dem Vorfall mit dem Himmlischen Auge zu wissen, oder er tat nur so, um beiden Seiten Peinlichkeiten zu ersparen. Zumindest mussten die beiden Frauen sich nun keine Sorgen mehr um Feindseligkeiten machen.

„Lord Theodore, was führt Euch hierher? Wusstet Ihr im Voraus, dass Herzog Wilhelm und seine Begleitung kommen würden?“, fragte Xia Lan nach kurzem Überlegen. Eine mächtige Gestalt nach der anderen erschien in dieser kleinen Untergrundbar, hinter einer eigens errichteten Absperrung. Gäbe es keine Falle, hätte es selbst ein Geist nicht geglaubt.

Gerade als Theodore antworten wollte, spürte er plötzlich ein beklemmendes Gefühl in der Brust, als ob etwas Unbestimmtes durch seinen Geist kroch. Ein schwacher schwarzer Schimmer huschte über sein Gesicht und veränderte seinen Gesichtsausdruck schlagartig.

Kapitel 266 Das Gu der Barrieren

Nicht nur Theodore, sondern alle in der Untergrundbar zeigten eine drastische Veränderung im Gesichtsausdruck. Fast jeder spürte eine undefinierbare Präsenz, die sich langsam in seinen Gedanken ausbreitete. Das mentale Feld eines Supermenschen ist sensibel. Abgesehen von besonderen Supermenschen wie Ling Yun, die gelegentlich verrückt spielen, verspüren nur sehr wenige Menschen ein solches vages Gefühl. Sollte eine solch undefinierbare Präsenz auftreten, deutet dies in der Regel auf Gefahr hin oder darauf, dass jemand eine mentale Angriffstechnik anwendet.

Da es sich um ein Gefühl handelt, das durchs Herz kriecht, ist es keine bloße Illusion, sondern eine wahrhaft reale Erscheinung. Dies deutet darauf hin, dass etwas Unerklärliches, Unbekanntes in das Herz eines jeden Menschen eingedrungen ist, sei es ins Herz selbst oder lediglich ins reine Bewusstsein. Die Art und Weise ist unerheblich; entscheidend ist, dass dieser Eintritt von niemandem zugelassen wurde, was einen mächtigen Eingriff bedeutet.

Unmittelbar darauf erhob sich aus den Tiefen der Herzen aller eine Aura der Verzweiflung, Grausamkeit und Rücksichtslosigkeit. Diese Aura war so kalt und grausam, dass sie unwillkürlich grenzenloses Entsetzen in den Herzen der Menschen auslöste. Heftige negative Gefühle stiegen rasch auf und häuften sich immer weiter an, bis sie im Bruchteil einer Sekunde ihren Höhepunkt erreichten. Jeder konnte sich dem Gedanken an Wahnsinn nicht entziehen, den Wunsch, die Menschen um sich herum zu töten und sich dann selbst zu Tode zu quälen. Die Aura des Blutvergießens und des Gemetzels verstärkte sich und bildete ein beinahe greifbares Kraftfeld.

Xiao Rou und Xia Lan stöhnten gleichzeitig auf und wichen einen Schritt zurück. Ihre mentalen Energiefelder strömten von ihren Körpern aus und umhüllten sie augenblicklich, während sie gegen die überwältigenden negativen Emotionen ankämpften. Ihre beiden schönen, schneeweißen Gesichter spiegelten Schmerz und Durchhaltevermögen wider, und ihre perlweißen Zähne bissen sich beinahe auf die schmalen Lippen.

Theodor und die drei Schiedsrichter befanden sich in keiner besseren Verfassung. Ständig wurde Lichtkraft freigesetzt, um die negativen und dunklen Emotionen zu vertreiben. Heiliges Licht ist normalerweise die beste und wirksamste Waffe, um dunkle Emotionen zu unterdrücken, doch aus irgendeinem Grund schien diese negative Aura aus den Tiefen der Herzen aller zu entspringen. Obwohl sie vom heiligen Licht unablässig hinweggewischt wurde, wuchs sie gleichzeitig stetig, als hätte sie in den Tiefen des Bewusstseins Wurzeln geschlagen, wäre allmählich stärker geworden und hätte sich dann ausgebreitet. Die Lichtkraft schwand immer mehr, während die negative Aura immer stärker wurde.

Im Bruchteil einer Sekunde konnten die Schiedsrichter den Wahnsinn in ihren Herzen nicht länger unterdrücken. Ihr schwaches heiliges Licht blitzte trotzig einen Moment auf, bevor es gänzlich erlosch. Ihre makellosen weißen Gewänder waren augenblicklich von einem dünnen Grauschleier umhüllt. Die drei jungen Schiedsrichter schlossen plötzlich die Augen fest, und als sie sie wieder öffneten, waren ihre zuvor hellen und verwirrten Augen blutrot.

Die drei wechselten einen Blick, als plötzlich ein dichtes, blutrotes Licht aus ihren grauen Gewändern aufstieg. Nach einem markerschütternden Schrei schossen drei gewaltige Strahlen blutroten Lichts aus ihren Händen und prallten heftig aufeinander. Mit einem ohrenbetäubenden Knall verschmolzen die kollidierenden Strahlen zu einem Meer aus Blut, das gänzlich aus negativer Energie bestand und augenblicklich den schmalen Raum der unterirdischen Barriere ausfüllte.

„Was machst du da?! Hast du deine Hingabe zum Herrn vergessen? Wach auf!“, schrie Theodor wütend. Obwohl sich in seinem Herzen immer mehr die Beklemmung zuspitzte, konnte er dank der Stärke des stellvertretenden Schiedsrichters noch nüchtern bleiben.

Beim donnernden Gebrüll des stellvertretenden Hauptschiedsrichters erstarrten die drei Schiedsrichter einen Moment lang. Jeder von ihnen verzog das Gesicht zu einem Ausdruck tiefster Qual, die Hände an den Kopf gepresst, zitternd vor Angst. Jahre der Frömmigkeit und eine wahnsinnige, negative Energie tobten in ihrem Bewusstsein in einem erbitterten Kampf. Die Einberufung durch den stellvertretenden Hauptschiedsrichter hatte sie auf ein Schlachtfeld geworfen, das dem Krieg selbst in nichts nachstand. Auf der einen Seite die edle Aura des Lichts, auf der anderen der dunkle Schrecken, der unaufhörlich negative Gefühle nährte. Diese beiden gegensätzlichen, aber gleichermaßen mächtigen Kräfte rangen miteinander und verwüsteten ihr zerbrechliches, friedliches Bewusstsein.

Mit drei dumpfen Schlägen, als der Kampf um das Bewusstsein in kürzester Zeit seinen Höhepunkt erreichte, erlagen die jungen Richter schließlich dem überwältigenden Druck, brachen zusammen, husteten Blut und verloren augenblicklich das Bewusstsein. Ihr Geisteszustand war schwer beeinträchtigt, und obwohl sie noch atmeten, war es ungewiss, ob sie jemals wieder erwachen würden.

Theodore sah hilflos zu, wie seine drei sorgfältig ausgewählten Untergebenen im Nu zu Boden sanken. Es waren seine Schüler, die er jahrelang ausgebildet hatte, und doch waren sie in dieser namenlosen Untergrundbar von einem mysteriösen mentalen Angriff schwer verletzt worden. In diesem Augenblick zerriss ihm das Herz, und seine Augen waren blutunterlaufen. Er hob panisch die Hände, und unzählige milchig-weiße, heilige Lichter gingen von ihnen aus. Blitzschnell erfüllte die Kraft des Lichts den gesamten Barriereraum wie ein tiefes Meer, und unzählige heilige Flammen, so hell wie Lotusblüten, tanzten und verbrannten alles, was als dunkle Energie gelten konnte.

Xia Lans schlanker, anmutiger Körper zitterte unaufhörlich. Sie war außergewöhnlich begabt und unglaublich intelligent, weit übertraf die meisten Menschen. Doch genau das prägte auch ihre komplexe und unreine Persönlichkeit und machte sie besonders anfällig für negative Einflüsse. Ihr Bewusstsein war bereits getrübt, erfüllt von wahnsinnigen und mörderischen Gedanken. Wäre da nicht ihr ebenso entschlossener wie mutiger Charakter gewesen, der sie zum Durchhalten zwang, hätte sie wohl längst die Kontrolle über sich selbst verloren.

Ein schwaches, aber reines spirituelles Energiefeld umhüllte plötzlich ihr wolkenartiges Haar und vertrieb augenblicklich den Großteil der negativen Energie. Xia Lan öffnete ihren kleinen Mund und atmete leise. Ihre sanften, fließenden Augen sahen eine schneeweiße, weiche Hand, die die wirren Gedanken in ihrem Kopf zerstreute – es war Gu Xiaorou, deren Gesicht ebenfalls blass war. Sie lächelte bitter und wollte sich bedanken, als sie plötzlich wie vom Blitz getroffen wurde. Xia Lan fühlte, als ob ihr etwas gegen die Stirn geschlagen hätte, und nachdem sie einen Mundvoll Blut ausgespuckt hatte, versank sie in Dunkelheit.

Xiao Rou kniete auf einem Knie, zu schwach, um aufrecht zu stehen. Auch in ihr wuchs negative Energie, doch seit der Simulation innerhalb der Barriere des gelben Buches und der Kultivierung des Bewusstseinsausgleichs im mentalen Energiefeld der zweiten Ebene konnte sie diesem plötzlichen mentalen Angriff kaum standhalten. Die negative Energie war jedoch schnell und immer intensiver, und zusammen mit ihrer Hilfe für Xia Lan schwächte sich ihr Widerstand ab, ihr Bewusstsein verschwamm allmählich, und im Nu drohte ihr schlanker Körper zu schwanken und zu Boden zu fallen.

Theodore schritt zu Xiaorou hinüber, rezitierte leise zwei Zeilen eines heiligen Hymnus, öffnete dann seine Handflächen, und zwei sanfte Strahlen heiligen Lichts gingen von ihnen aus und trafen Xiaorou und Xia Lan. Beide Frauen zuckten gleichzeitig zusammen; Xia Lan stöhnte und erwachte langsam, während Xiaorou tief ausatmete und sich sofort viel besser fühlte.

Theodores Gesichtsausdruck verriet einen Anflug von Schmerz. Obwohl er der Stärkste von ihnen war, hatte die negative Aura auch den größten Einfluss auf sein Bewusstsein. Es war wie eine reißende Flut, die unaufhörlich auf ihn einprasselte. Ohne das reine Bewusstsein, das er über die Jahre kultiviert hatte, und die ihn unterstützende, mächtige Lichtenergie wäre Theodores Leistung in diesem Moment wahrscheinlich schlechter als die von Xiaorou.

Obwohl die Kraft des Lichts ihn weiterhin aufrechterhalten konnte, war Theodor keine unerschöpfliche Sonne. Schon bald spürte der mächtige Vize-Schiedsrichter die Belastung, während die ungezügelte negative Energie endlos schien. Das Heilige Licht konnte die oberflächliche negative Energie nur mühsam vertreiben, aber nicht vollständig auslöschen.

Am wichtigsten war jedoch, dass niemand, auch Theodor nicht, den Ursprung dieser negativen Gefühle erklären konnte. Sie schien plötzlich aufgetaucht zu sein, und es musste eine unbekannte Macht dahinterstecken. Doch selbst mit all seiner Kraft konnte Theodor den unbekannten oder lauernden Feind nicht finden.

„Eure Exzellenz, stellvertretende Hauptschiedsrichterin, haben Sie irgendwelche Mängel festgestellt?“, fragte Xiao Rou mit zusammengebissenen Zähnen. Sie mühte sich, Xia Lans Kopf anzuheben und ihn in ihren Armen zu halten. Die dunkle Aura breitete sich viel zu schnell aus. Obwohl das mentale Feld und das heilige Licht doppelt unterdrückt waren, breitete sich dennoch eine allgegenwärtige Aura des Wahnsinns aus. Es schien, als sei die Luft innerhalb der gesamten Barriere mit unsichtbarer negativer Energie erfüllt, die sich schier endlos erzeugen ließ.

Das reinweiße, heilige Licht war gerade erst aufgegangen, als es von einer Schicht leblosen Graus umhüllt wurde. Die Aura der Dunkelheit konnte neben der Kraft des Lichts bestehen und wurde zunehmend widerstandsfähiger. Das heilige Licht musste immer mehr Kraft aufwenden, um auch nur einen kleinen Teil der negativen Aura zu durchdringen, doch im Nu erhob sich wieder immer mehr von dieser. Die drei hatten sogar das seltsame Gefühl, dass diese Aura nicht mehr nur in ihren Herzen wuchs, sondern auch außerhalb ihrer Körper, innerhalb der Barriere, überall dort, wo sie sehen und fühlen konnten. Sie kämpften in einem Meer aus negativer Aura und würden früher oder später davon verschlungen werden.

„Nein, wir können es nicht finden und wir können vorerst nicht entkommen. Ich kann keine weitere Kraft meines Licht-Spirituell-Feldes einsetzen, um die Beschränkungen der Barriere zu durchbrechen“, sagte Theodore mit einem schiefen Lächeln.

Xia Lan öffnete leicht ihre blutleeren Lippen, und im nächsten Augenblick legte sich ein grauer Schimmer über ihr jadegrünes Gesicht. In ihren Augen spiegelte sich ein unermesslicher Schmerz, und sie dachte sogar, der sofortige Tod wäre besser, als diesen allgegenwärtigen Schmerz zu ertragen.

„Was sollen wir tun?“, fragte Xia Lan nach einer Weile langsam. Die Freude über ihre vermeintliche Flucht war sofort verflogen. Doch diesmal war es noch viel beängstigender, denn sie wusste nicht einmal, wo der Feind war.

Xiao Rou runzelte leicht die Stirn. Ihr Geist war viel klarer und ruhiger als der von Xia Lan. Deshalb konnte sie sich, obwohl sie von der negativen Energie angegriffen wurde, noch immer darauf konzentrieren, deren Eigenschaften zu verstehen. Da sie die Quelle des Angriffs von außen nicht finden konnte, blieb ihr nichts anderes übrig, als die Ursache in der dunklen, negativen Energie selbst zu suchen.

Aus irgendeinem Grund löste diese düstere und negative Aura bei ihr ein Déjà-vu-Gefühl aus, als hätte sie es schon einmal gesehen oder erlebt. Normalerweise war ihr Gedächtnis sehr klar, doch dieses Gefühl war ungewöhnlich verschwommen, was an sich schon bedeutete, dass die düstere Aura einen enormen Einfluss auf sie gehabt hatte.

„Haben Sie etwas herausgefunden, Frau Gu Xiaorou?“, fragte Theodore. Seine Augen huschten über sein Gesicht, und er hatte Xiaorous Veränderung bereits bemerkt. Trotz des immensen Drucks hatte er ihre bescheidene und höfliche Art nicht vergessen.

Xiao Rou dachte einen Moment nach und sagte: „Ich hätte die Natur dieser negativen Aura erkennen müssen. Es gibt eine andere Angriffsmethode, die ihr sehr ähnlich ist, aber da die negativen Emotionen gerade meinen mentalen Körper angreifen, kann ich nichts klar erfassen oder die Quelle des Angriffs finden.“

Theodore verspürte eine leichte Enttäuschung und seufzte. Xiaorous Worte enthielten zwar einige Hinweise, waren aber größtenteils Unsinn. Würde er heute wirklich hier sterben? Oder versuchte der mysteriöse Überbringer der Nachricht ihn nur in eine Falle zu locken?

„Wenn er nur hier wäre, könnte er den Grund ganz bestimmt herausfinden.“ Xiaorou seufzte und sagte dies mit plötzlich weicherem Blick und sanfter Stimme, als sähe sie ihren Geliebten voller Zuneigung an.

⚙️
Lesestil

Schriftgröße

18

Seitenbreite

800
1000
1280

Lesethema

Kapitelübersicht ×
Kapitel 1 Kapitel 2 Kapitel 3 Kapitel 4 Kapitel 5 Kapitel 6 Kapitel 7 Kapitel 8 Kapitel 9 Kapitel 10 Kapitel 11 Kapitel 12 Kapitel 13 Kapitel 14 Kapitel 15 Kapitel 16 Kapitel 17 Kapitel 18 Kapitel 19 Kapitel 20 Kapitel 21 Kapitel 22 Kapitel 23 Kapitel 24 Kapitel 25 Kapitel 26 Kapitel 27 Kapitel 28 Kapitel 29 Kapitel 30 Kapitel 31 Kapitel 32 Kapitel 33 Kapitel 34 Kapitel 35 Kapitel 36 Kapitel 37 Kapitel 38 Kapitel 39 Kapitel 40 Kapitel 41 Kapitel 42 Kapitel 43 Kapitel 44 Kapitel 45 Kapitel 46 Kapitel 47 Kapitel 48 Kapitel 49 Kapitel 50 Kapitel 51 Kapitel 52 Kapitel 53 Kapitel 54 Kapitel 55 Kapitel 56 Kapitel 57 Kapitel 58 Kapitel 59 Kapitel 60 Kapitel 61 Kapitel 62 Kapitel 63 Kapitel 64 Kapitel 65 Kapitel 66 Kapitel 67 Kapitel 68 Kapitel 69 Kapitel 70 Kapitel 71 Kapitel 72 Kapitel 73 Kapitel 74 Kapitel 75 Kapitel 76 Kapitel 77 Kapitel 78 Kapitel 79 Kapitel 80 Kapitel 81 Kapitel 82 Kapitel 83 Kapitel 84 Kapitel 85 Kapitel 86 Kapitel 87 Kapitel 88 Kapitel 89 Kapitel 90 Kapitel 91 Kapitel 92 Kapitel 93 Kapitel 94 Kapitel 95 Kapitel 96 Kapitel 97 Kapitel 98 Kapitel 99 Kapitel 100 Kapitel 101 Kapitel 102 Kapitel 103 Kapitel 104 Kapitel 105 Kapitel 106 Kapitel 107 Kapitel 108 Kapitel 109 Kapitel 110 Kapitel 111 Kapitel 112 Kapitel 113 Kapitel 114 Kapitel 115 Kapitel 116 Kapitel 117 Kapitel 118 Kapitel 119 Kapitel 120 Kapitel 121 Kapitel 122 Kapitel 123 Kapitel 124 Kapitel 125 Kapitel 126 Kapitel 127 Kapitel 128 Kapitel 129 Kapitel 130 Kapitel 131 Kapitel 132 Kapitel 133 Kapitel 134 Kapitel 135 Kapitel 136 Kapitel 137 Kapitel 138 Kapitel 139 Kapitel 140 Kapitel 141 Kapitel 142 Kapitel 143 Kapitel 144 Kapitel 145 Kapitel 146 Kapitel 147 Kapitel 148 Kapitel 149 Kapitel 150 Kapitel 151 Kapitel 152 Kapitel 153 Kapitel 154 Kapitel 155 Kapitel 156 Kapitel 157 Kapitel 158 Kapitel 159 Kapitel 160 Kapitel 161 Kapitel 162 Kapitel 163 Kapitel 164 Kapitel 165 Kapitel 166 Kapitel 167 Kapitel 168 Kapitel 169 Kapitel 170 Kapitel 171 Kapitel 172 Kapitel 173 Kapitel 174 Kapitel 175 Kapitel 176 Kapitel 177 Kapitel 178 Kapitel 179 Kapitel 180 Kapitel 181 Kapitel 182 Kapitel 183 Kapitel 184 Kapitel 185 Kapitel 186 Kapitel 187 Kapitel 188 Kapitel 189 Kapitel 190 Kapitel 191 Kapitel 192 Kapitel 193 Kapitel 194 Kapitel 195 Kapitel 196 Kapitel 197 Kapitel 198 Kapitel 199 Kapitel 200 Kapitel 201 Kapitel 202 Kapitel 203 Kapitel 204 Kapitel 205 Kapitel 206 Kapitel 207 Kapitel 208 Kapitel 209 Kapitel 210 Kapitel 211 Kapitel 212 Kapitel 213 Kapitel 214 Kapitel 215 Kapitel 216 Kapitel 217 Kapitel 218 Kapitel 219 Kapitel 220 Kapitel 221 Kapitel 222 Kapitel 223 Kapitel 224 Kapitel 225 Kapitel 226 Kapitel 227 Kapitel 228 Kapitel 229 Kapitel 230 Kapitel 231 Kapitel 232 Kapitel 233 Kapitel 234 Kapitel 235 Kapitel 236 Kapitel 237 Kapitel 238 Kapitel 239 Kapitel 240 Kapitel 241 Kapitel 242 Kapitel 243 Kapitel 244 Kapitel 245 Kapitel 246 Kapitel 247 Kapitel 248 Kapitel 249 Kapitel 250 Kapitel 251 Kapitel 252 Kapitel 253 Kapitel 254 Kapitel 255 Kapitel 256 Kapitel 257 Kapitel 258 Kapitel 259 Kapitel 260 Kapitel 261 Kapitel 262 Kapitel 263 Kapitel 264 Kapitel 265 Kapitel 266 Kapitel 267 Kapitel 268 Kapitel 269 Kapitel 270 Kapitel 271 Kapitel 272 Kapitel 273 Kapitel 274 Kapitel 275 Kapitel 276 Kapitel 277 Kapitel 278 Kapitel 279 Kapitel 280 Kapitel 281 Kapitel 282 Kapitel 283 Kapitel 284 Kapitel 285 Kapitel 286 Kapitel 287 Kapitel 288 Kapitel 289 Kapitel 290 Kapitel 291 Kapitel 292 Kapitel 293 Kapitel 294 Kapitel 295 Kapitel 296 Kapitel 297 Kapitel 298 Kapitel 299 Kapitel 300 Kapitel 301 Kapitel 302 Kapitel 303 Kapitel 304 Kapitel 305 Kapitel 306 Kapitel 307 Kapitel 308 Kapitel 309 Kapitel 310 Kapitel 311 Kapitel 312 Kapitel 313 Kapitel 314 Kapitel 315 Kapitel 316 Kapitel 317 Kapitel 318 Kapitel 319 Kapitel 320 Kapitel 321 Kapitel 322 Kapitel 323 Kapitel 324 Kapitel 325 Kapitel 326 Kapitel 327 Kapitel 328 Kapitel 329 Kapitel 330 Kapitel 331 Kapitel 332 Kapitel 333 Kapitel 334 Kapitel 335 Kapitel 336