Kapitel 12

Die Landschaft bei Nacht hat einen ganz besonderen Charme.

Silbernes Mondlicht filterte durch die Blätter, tupfte den Boden und schuf eine friedvolle Schönheit. Das Mondlicht hüllte die Erde ein, sein silberner Schleier ein Lichtschleier.

Feng Xue starrte auf den silbernen Gaze-Stoff auf dem Boden, verlor sich plötzlich in Gedanken und vergaß für einen Moment sogar Situ Xingyuns Anwesenheit.

Silber, eine sanfte Farbe, der silberne Schleier, der nachts die Erde bedeckt.

Als sie zum silbernen Mond am Himmel aufblickte, spürte sie, wie das sanfte Mondlicht einen Ort in ihrem Herzen erweichte, und unwillkürlich erschien ein sanftes Lächeln auf ihren Lippen.

Eine namenlose Sehnsucht quoll wie eine Quelle in mir auf, und mein Herz schmerzte unerklärlicherweise. Tränen rannen über mein Gesicht und färbten den Schleier unter meinem silbernen Mondlicht.

Als glitzernde Tränen ihren Ärmel hinunter auf das Glasperlenarmband an ihrem Handgelenk liefen, brach ein blendender Ausbruch siebenfarbigen Lichts aus ihrem Handgelenk hervor, der das silberne Mondlicht überstrahlte und den stechenden Schmerz in ihrem Herzen linderte.

Weine nicht, das macht sie traurig...

Feng Xue war etwas verdutzt. Sie hörte viele Männerstimmen, manche tief, manche sanft... alle voller tiefer Besorgnis. Sie sagten alle dasselbe: „Weine nicht, sie wird traurig sein.“

Band Eins: Eine Frau aus dem Volk kennt Qingyuns Nachtspaziergang 3

Als Situ Xingyun ankam, hielt er den Atem an.

In einem Regenbogen aus Licht hob sie den Kopf und blickte zum silbernen Mond hinauf. Tränen rannen ihr über die Wangen und erblühten zu kleinen Blüten. Ihr langes, schwarzes Haar tanzte im Windstille und ließ sie wie ein himmlisches Wesen erscheinen, das auf glückverheißenden Wolken zur Erde herabstieg. Ihr Blick war so sanft, so zärtlich, dass er sein Herz berührte.

Als sich Feng Xues Herz vollständig beruhigt hatte, ersetzte das silberne Mondlicht allmählich das sanfte, siebenfarbige Licht.

Der sanfte Ausdruck in ihren Augen war verschwunden und einer Stille gewichen, wie der Stille der Nacht. Die Tränen auf ihrem Gesicht waren vom Wind getrocknet worden, als wären sie nur ein Traum gewesen.

Im Mondlicht betrat sie den Wald.

Situ Xingyun hielt einen Moment inne und folgte dann.

Es war ein klarer Bach, der sich durch den Wald schlängelte.

Sie suchte sich beiläufig einen großen Stein, auf dem sie sich hinsetzen konnte, und blickte auf das klare Flusswasser, auf den dünnen Mondschein auf der Wasseroberfläche und auf den silbernen Mond, der sich im Fluss spiegelte.

Was gerade passiert ist, ist unglaublich; es fühlt sich so surreal und doch so real an.

Das Glasperlenarmband an ihrem Handgelenk trug sie seit ihrer Geburt. Ihre Eltern bestätigten, dass sie es seit ihrer Geburt trug und seine Herkunft unbekannt war. Es passte jedoch perfekt zu der Inschrift auf dem Grabstein aus jenem Jahr: „Mögest du Liebe finden, Glasperlen, und möge die Welt gesegnet sein.“

Vielleicht hat diese Kette aus Glasperlen einen Namen: „Sehnsucht“.

Sehnsucht... Sehnsucht... vielleicht birgt diese Glasperlenkette eine Geschichte, die die Welt erschüttert!

Situ Xingyun lehnte sich an einen Baum, und im Mondlicht konnte er Feng Xues Gesichtsausdruck deutlich erkennen. In ihren Augen lag ein Hauch von Traurigkeit.

Was... könnte sie so traurig gemacht haben?

Sie lauschte aufmerksam und hörte Situ Xingyuns Atem. Sie presste die Lippen zusammen, stand auf und warf einen letzten, tiefen Blick in das silbrige Mondlicht. Dann murmelte sie leise: „Nach meinem Spaziergang ist es Zeit zurückzukehren.“ Ihre Stimme war leise, aber gerade laut genug, dass Situ Xingyun sie hören konnte.

Situ Xingyun sprang und kletterte auf den Baum.

Feng Xue senkte den Blick und verließ den Wald.

Nachdem Feng Xue aus dem Wald gekommen war, sprang Situ Xingyun ans Flussufer und blickte auf das klare Wasser hinab. Der Fluss war noch immer kristallklar und hatte noch immer einen leichten silbrigen Schimmer.

Es sieht immer noch so weich aus.

Feng Xue, oh Feng Xue, warum bist du so traurig?

Das Mondlicht fiel auf Situ Xingyuns Gesicht und tauchte es in ein silbriges Licht; selbst seine dunklen, jadegrünen Augen schienen silbern zu schimmern. Als er seine eigenen Augen im Fluss spiegelte, vom Mondlicht silbern vergoldet, wurde sein Herz weicher. Ein schwaches Lächeln huschte über sein Gesicht, begleitet von einer Zärtlichkeit, die er noch nie zuvor jemandem gezeigt hatte.

Band 1: Eine Frau aus dem Volk kennt Qingyuns Nachtspaziergang 4

Feng Xue betrat die Stadt.

Auf dem Rückweg zum Herrenhaus herrschte an den Ständen mit den Mitternachtssnacks noch reges Treiben. Genau in diesem Moment knurrte Fengxues Magen, also suchte sie sich einen nahegelegenen Stand aus, setzte sich und bestellte eine Schüssel Nudeln.

Die Nacht blieb dunkel, und der Ladenbesitzer konnte Feng Xues Gesicht nicht deutlich erkennen, nur dass sie einen Schleier trug. Aufgrund ihrer Kleidung vermutete er, dass sie die Tochter einer wohlhabenden Familie war. Wie bei der ersten Begegnung mit einem angesehenen Gast begrüßte er sie herzlich.

Neben ihren Magenproblemen gab es eigentlich noch einen anderen Grund, warum sie sich spät abends noch einen Imbiss gönnte – Situ Xingyun. Sie wartete lange, verlangsamte ihre Schritte, konnte ihn aber immer noch nicht hinter sich spüren.

„Fräulein, Ihre Nudeln.“ Der Ladenbesitzer hatte noch extra Zutaten hinzugefügt. „Äh … Fräulein, möchten Sie den Schleier abnehmen?“ Feng Xue schüttelte den Kopf, hob den Schleier vorsichtig mit einer Hand an und schob sich die Nudeln mit Stäbchen in den Mund. Sie aß mit der geübten Leichtigkeit eines ganz normalen Menschen.

"Nein... Es tut mir leid, Sie zu stören, Fräulein." Als der Ladenbesitzer Feng Xues Schweigen bemerkte, zog er sich verlegen zurück.

Plötzlich blitzte ein scharfer Glanz in Feng Xues Augen auf.

Er ist angekommen.

Feng Xue legte ihre Essstäbchen beiseite und sagte leise: „Junger Meister, Sie müssen nach dem langen Marsch sehr müde sein. Setzen Sie sich doch hin und essen Sie eine Schüssel Nudeln, um sich auszuruhen. Nach all den Köstlichkeiten tut es gut, ab und zu etwas einfachen Tee und Reis zu genießen.“

Nachdem er aus dem Wald gekommen war, nahm Situ Xingyun an, dass Feng Xue bereits zum Herrenhaus zurückgekehrt sei, doch zu seiner Überraschung fand er sie in einem Nudelrestaurant vor, wo sie mit ihm sprach.

Sie drehte den Kopf und ihre strahlenden Augen richteten sich auf Situ Xingyun, die nicht weit entfernt stand.

Ein flüchtiger Anflug von Verlegenheit huschte über sein Gesicht, doch Situ Xingyun fasste sich sofort wieder. Ein Lächeln umspielte seine Lippen, als er hinüberging und sich neben Feng Xue setzte.

„Die Prinzessin ist ganz fasziniert davon, mitten in der Nacht draußen Nudeln zu essen.“

„Das ist eine Angewohnheit von Fengxue, und außerdem habe ich es Eurer Hoheit heute Morgen schon erwähnt. Fengxue geht gern nachts spazieren.“ Sie blinzelte und wechselte dann das Thema: „Ich bin sicher, Eure Hoheit wissen das auch!“

„Wann wurde es entdeckt?“, fragte Situ Xingyun ruhig, sein Blick unverändert. Das war die einzige Frage, auf die er eine Antwort wollte.

⚙️
Lesestil

Schriftgröße

18

Seitenbreite

800
1000
1280

Lesethema

Kapitelübersicht ×
Kapitel 1 Kapitel 2 Kapitel 3 Kapitel 4 Kapitel 5 Kapitel 6 Kapitel 7 Kapitel 8 Kapitel 9 Kapitel 10 Kapitel 11 Kapitel 12 Kapitel 13 Kapitel 14 Kapitel 15 Kapitel 16 Kapitel 17 Kapitel 18 Kapitel 19 Kapitel 20 Kapitel 21 Kapitel 22 Kapitel 23 Kapitel 24 Kapitel 25 Kapitel 26 Kapitel 27 Kapitel 28 Kapitel 29 Kapitel 30 Kapitel 31 Kapitel 32 Kapitel 33 Kapitel 34 Kapitel 35 Kapitel 36 Kapitel 37 Kapitel 38 Kapitel 39 Kapitel 40 Kapitel 41 Kapitel 42 Kapitel 43 Kapitel 44 Kapitel 45 Kapitel 46 Kapitel 47 Kapitel 48 Kapitel 49 Kapitel 50 Kapitel 51 Kapitel 52 Kapitel 53 Kapitel 54 Kapitel 55 Kapitel 56 Kapitel 57 Kapitel 58 Kapitel 59 Kapitel 60 Kapitel 61 Kapitel 62 Kapitel 63 Kapitel 64 Kapitel 65 Kapitel 66 Kapitel 67 Kapitel 68 Kapitel 69 Kapitel 70 Kapitel 71 Kapitel 72 Kapitel 73 Kapitel 74 Kapitel 75 Kapitel 76 Kapitel 77 Kapitel 78 Kapitel 79 Kapitel 80 Kapitel 81 Kapitel 82 Kapitel 83 Kapitel 84 Kapitel 85 Kapitel 86 Kapitel 87 Kapitel 88 Kapitel 89 Kapitel 90 Kapitel 91 Kapitel 92 Kapitel 93 Kapitel 94 Kapitel 95 Kapitel 96 Kapitel 97 Kapitel 98 Kapitel 99 Kapitel 100 Kapitel 101 Kapitel 102 Kapitel 103 Kapitel 104 Kapitel 105 Kapitel 106 Kapitel 107 Kapitel 108 Kapitel 109 Kapitel 110 Kapitel 111 Kapitel 112 Kapitel 113 Kapitel 114 Kapitel 115 Kapitel 116 Kapitel 117 Kapitel 118 Kapitel 119 Kapitel 120 Kapitel 121 Kapitel 122 Kapitel 123 Kapitel 124 Kapitel 125 Kapitel 126 Kapitel 127 Kapitel 128 Kapitel 129 Kapitel 130 Kapitel 131 Kapitel 132 Kapitel 133 Kapitel 134 Kapitel 135 Kapitel 136 Kapitel 137 Kapitel 138 Kapitel 139 Kapitel 140 Kapitel 141 Kapitel 142 Kapitel 143 Kapitel 144 Kapitel 145 Kapitel 146 Kapitel 147 Kapitel 148 Kapitel 149 Kapitel 150 Kapitel 151 Kapitel 152 Kapitel 153 Kapitel 154 Kapitel 155 Kapitel 156 Kapitel 157 Kapitel 158 Kapitel 159 Kapitel 160 Kapitel 161 Kapitel 162 Kapitel 163 Kapitel 164 Kapitel 165 Kapitel 166 Kapitel 167 Kapitel 168 Kapitel 169 Kapitel 170 Kapitel 171 Kapitel 172 Kapitel 173 Kapitel 174 Kapitel 175 Kapitel 176 Kapitel 177 Kapitel 178 Kapitel 179 Kapitel 180 Kapitel 181 Kapitel 182 Kapitel 183 Kapitel 184 Kapitel 185 Kapitel 186 Kapitel 187 Kapitel 188 Kapitel 189 Kapitel 190 Kapitel 191 Kapitel 192 Kapitel 193 Kapitel 194 Kapitel 195 Kapitel 196 Kapitel 197 Kapitel 198 Kapitel 199 Kapitel 200 Kapitel 201 Kapitel 202 Kapitel 203 Kapitel 204 Kapitel 205 Kapitel 206 Kapitel 207 Kapitel 208 Kapitel 209 Kapitel 210 Kapitel 211