Kapitel 64

"……Prinzessin……"

Feng Xues Pupillen verengten sich plötzlich, und ein Lichtblitz blitzte in ihren Augen auf und erhellte ihr ganzes Gesicht.

"In Blau!"

Feng Xue drehte sich um, ihr langes Haar schwang sanft in der Luft.

Eine grelle, gewundene Blutspur zog sich von einem großen Felsen unweit entfernt bis vor Feng Xue. Qingyi lag am Boden, ihr Haar zerzaust, ihr schmales Gesicht von unzähligen Handabdrücken gezeichnet, ihre Kleidung blutbefleckt und auch ihre Hände voller Wunden.

Es ist nicht schwer zu erkennen, dass es Qingyi war, der hinter diesem großen Felsen hervorkam.

Feng Xue biss sich fest auf die Lippe und blickte den grün gekleideten, wundenübersäten Mann an; in ihren Augen blitzte ein rücksichtsloser Glanz auf.

„…Prinzessin…Qingyi…“ Qingyi versuchte angestrengt, ihren Mund zu öffnen, als wolle sie etwas sagen, doch nachdem sie ein paar Worte gesagt hatte, schloss sie ihn schwach wieder.

Sie half Qingyi schnell auf und wischte ihr mit dem Ärmel das Blut aus dem Gesicht. „Qingyi, sprich nicht. Ich weiß, ich weiß alles.“

Feng Xues Hände zitterten leicht.

Der Wind auf White Bone Cliff ist stark, wie eine Peitsche, die auf alle dort oben einschlägt.

Feng Xues Haar war vom Wind zerzaust, einige Strähnen fielen ihr sogar in die Augen. Lässig strich sie es sich mit der Hand zurück und wischte sich mit dem blutbefleckten Ärmel übers Gesicht.

Feng Xue ignorierte ihn. In diesem Moment war sie extrem nervös. Sie wünschte, sie hätte von Li Ge Medizin statt Kampfkunst gelernt. Sie vergaß sogar, dass ihr verkleidetes Gesicht nicht mit Blut befleckt werden durfte, sonst wäre es innerhalb einer Stunde ruiniert.

„Prinzessin… Qingyi möchte… hust hust…“ Vielleicht lag es am starken Wind, denn Qingyis Stimme klang ungewöhnlich schwach. Plötzlich hustete sie heftig, und ein Schwall Blut spritzte aus ihrem Mund und traf Fengxues Wange.

Die große Menge Blut beschleunigte das Verschmelzen der Narben in ihrem Gesicht und erzeugte sogar ein zischendes Geräusch. In diesem Moment hatte Feng Xue nur Augen für die vernarbte Qingyi. Der leichte Schmerz in ihrem Gesicht wurde vom Schmerz und Hass in ihrem Herzen überdeckt.

Band 1: Die Wahrheit über die Volksfrau namens Qingyun (Teil 2)

„Prinzessin … Prinzessin …“ Eine schwache, überrascht klingende Stimme ließ Qingyis Augen sich langsam weiten. Ihre Pupillen spiegelten ein blutüberströmtes Gesicht wider, und tiefe Narben schälten sich langsam unter Blutstropfen ab und gaben schockierend weiße Haut darunter frei.

Doch bevor Qingyi etwas sagen konnte, durchfuhr sie ein stechender Schmerz, der von ihrem Herzen ausging, und sie spuckte einen weiteren Mundvoll Blut aus, das Fengxue erneut auf der anderen Gesichtshälfte traf.

“…Prinzessin…Qingyi…Ich fürchte…Ich fürchte, ich werde Euch nicht bis zum Ende dienen können…Qing…Qingyi…”

Die vereinzelten Worte erschreckten Feng Xue.

Qingyi war seit ihrer Kindheit an ihrer Seite gewesen. Für sie war Qingyi keine Magd, sondern eine Jugendliebe, der sie sich anvertrauen konnte.

„Qingyi, sprich nicht.“ Feng Xue legte einen Arm um Qingyis Taille und lenkte mit der anderen Hand ihre innere Energie in ihren Rücken. „Es wird alles gut. Ich bringe dich ins Juechen-Tal. Li Ge wird dich ganz bestimmt retten!“

„Hust… hust hust…“ Feng Xues innere Energie zeigte eine deutliche Wirkung, und Qingyi hustete diesmal kein Blut. Die Hand, die auf Qingyis Rücken gelegen hatte, wurde langsam gesenkt.

Plötzlich verschmolzen die Geräusche rollender Räder, galoppierender Hufe, klirrender Schwerter und Speere und der pfeifende Wind auf White Bone Cliff zu einer schaurigen Symphonie.

Die Wolken verdeckten die Sonne, der Himmel war erfüllt von gelbem Sand und einem dunstigen Zwielicht... all dies schien eine weltbewegende Schlacht anzukündigen, die auf White Bone Cliff stattfinden würde!

Feng Xues Wimpern zitterten leicht, als sie sich mit dem sauberen Ärmelende das Blut aus dem Gesicht wischte. Sie stützte sich mit einer Hand an ihrem blauen Kleid ab, legte die andere hinter den Rücken, neigte den Kopf leicht und fixierte mit gleichgültigem Blick einen Punkt in der Nähe.

Shuangdie stand vor der Kutsche, eine Hand auf ihrem vorgewölbten Bauch, die andere stützte ihre Taille. Hinter ihr stand eine Gruppe von Wachen, bewaffnet mit Schwertern und Speeren.

Es ist sehr windig.

Feng Xues Gesicht war von ihrem zerzausten Haar verdeckt. Auch die Frau in Grün, die sich an Feng Xue schmiegte, erkannte den Ernst der Lage. Sie senkte den Kopf, ertrug den Schmerz und schwieg.

Shuangdie ging auf Fengxue zu.

In diesem Moment legte sich der Wind wie durch ein Wunder, die Wolken wichen der Sonne, und die Haarsträhnen, die Feng Xues Gesicht bedeckt hatten, fielen zur Seite.

Sonnenlicht fiel auf Feng Xues Gesicht.

Die Narbe fiel vollständig ab und gab den Blick auf helle Haut frei – ein Weiß, das lange Zeit keine Sonne gesehen hatte, und doch war es erstaunlich weiß, edel weiß und atemberaubend weiß.

Shuangdie starrte mit weit aufgerissenen Augen ungläubig und brachte kein einziges Wort heraus.

In diesem Moment erinnerte sich Feng Xue plötzlich daran, dass Qingyis Blut in großen Mengen auf ihr Gesicht gespritzt war. Ein Schauer lief ihr über die Wangen. Im nächsten Augenblick riss sie sich die bereits zerfetzte Haut ab.

Sonnenlicht tanzte auf ihrem Gesicht.

Ein ungeschminktes Gesicht.

Ihre Lippen waren rot, ohne Lippenstift, und ihre Augenbrauen grün, ohne Make-up. Ihr Gesicht schien die Essenz von Sonne und Mond in sich zu vereinen. Sobald sich alles um sie erhob, verlor es augenblicklich seinen Glanz, als wollte es zu grünen Blättern werden, die still hinter ihr den Raum schmückten.

Es war ein Gesicht, das sich nicht mit schönen Worten beschreiben ließ.

Alle Anwesenden waren von Feng Xue tief beeindruckt; ihre angeborene Würde flößte ihnen Respekt ein, und alle Wachen knieten spontan nieder und riefen: „Eure Hoheit –“

In dem Moment, als Feng Xue ihre Maske abriss, stockte Shuang Die der Atem! Nie hätte sie sich vorstellen können, dass es so eine schöne Person auf der Welt geben könnte. Diese Schönheit schockierte sie, verschlug ihr die Sprache, ließ sie erzittern und machte sie wahnsinnig neidisch!

Band 1: Die Wahrheit über die Volksfrau namens Qingyun (Teil 3)

Nach langem Schweigen brachte Shuangdie mit fest zusammengepressten Lippen ein einziges Wort hervor: „Du –“

Sie blickte Shuangdie an, ihr Blick ruhig und gleichgültig. Sie wusste, dass Gleichgültigkeit der beste Schutz im Angesicht eines Feindes war, egal wie sehr sie diesen Feind hasste.

„Meine Entstellung ist längst verheilt, aber ich möchte einfach nicht, dass es jemand erfährt.“ Feng Xue hob die Augenbrauen, ihre Lippen zuckten leicht, und jedes ihrer Lächeln strahlte.

Shuangdie war völlig außer sich!

Lange verdrängte Eifersucht und Groll brachen aus ihrem Herzen hervor und erfüllten ihre silbernen Augen mit grenzenlosem Hass. Ihr schönes Gesicht verzerrte sich augenblicklich zu einem wilden Ausdruck.

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