Kapitel 106

Wuxia hielt einen Moment inne, dann überkam sie plötzlich ein starkes Gefühl der Vertrautheit. Ein Gedanke durchfuhr sie, und sie erinnerte sich, dass Schwester Qingyun einst ein Säckchen mit Pflaumenblüten hergestellt hatte, und der Duft war genau so.

Es war das erste Mal, dass sie einem fremden Mann so nahe war, vor allem einem, für den sie Gefühle hegte. Sie war so in ihre eigenen Gedanken versunken, dass sie gar nicht merkte, wie schnell ihr Herz schlug. Es fühlte sich an, als würde ihr das Blut in den Adern zurückfließen, und ihr Gesicht triefte vor Blut.

Klopf, klopf, klopf!

Mein Herz rast!

Ohne auch nur tief Luft zu holen, sprang sie schnell weg und brachte Abstand zwischen sich und Situ Xingyun, bevor sie allmählich wieder zur Normalität zurückkehrte.

Plötzlich erinnerte sich Wuxia an das, was Qingyun ihr einmal gesagt hatte: „Wuxia, was du für Wuhen empfindest, ist keine Liebe. Wenn du dem Menschen begegnest, den du wirklich liebst, wirst du wissen, was Liebe ist.“

Sie hatte keine Zeit, sich sanft auf die Unterlippe zu beißen.

Als Situ Xingyun Wuxias schüchternen, zögernden Gesichtsausdruck sah, ahnte er natürlich, was sie dachte. Außerdem, welche Art von Frau hatte er denn noch nicht gesehen? Wie konnten ihn die Gedanken eines jungen Mädchens so verblüffen?

Allerdings hat er bereits genug Frauen in seinem Harem, daher ist es am besten, sich nicht mit einer Frau wie dieser einzulassen.

"Mädchen……"

Gerade als Situ Xingyun sich verabschieden wollte, fragte Wuxia plötzlich: „Darf ich fragen, wie Ihr Name lautet, junger Meister?“

Situ Xingyun lächelte: „Ich gebe meinen Namen nicht öffentlich preis. Wenn Sie meinen Namen wirklich wissen wollen, können Sie mich einfach Xingyun nennen.“

Wu Xia lächelte breit, ihre Augen funkelten vor Lachen, und rief freundlich: „Junger Meister Xingyun.“ Nach einer Pause fuhr sie fort: „Da sich Junger Meister Xingyun bereits vorgestellt hat, bleibt mir nichts anderes übrig, als auch meinen Namen preiszugeben.“

Wie konnte der Name einer jungen Dame einem Außenstehenden bekannt werden?

„Helden der Kampfkunstwelt sind nicht an Namen und Ehren gebunden. Junger Meister Xingyun, mein Nachname ist Yu und mein Vorname ist Wuxia.“

Situ Xingyun hob eine Augenbraue, musterte sie eingehend, und ein scharfer Glanz blitzte in seinen Augen auf. Er öffnete seinen Jadefächer und sagte ernst: „Also seid ihr es, Yu Wuxia aus dem Li-Palast, die schönste Frau der Kampfkunstwelt. Euch heute zu sehen, bestätigt, dass ihr eurem Ruf alle Ehre macht.“

Wuxia kicherte leise: „Es ist mir eine Ehre, von Jungmeister Xingyun gelobt zu werden.“ Plötzlich verzog Wuxia die Lippen, zögerte einen Moment und sagte: „Jungmeister Xingyuns Kleidung und Sprechweise nach zu urteilen, muss er aus der Hauptstadt stammen.“

Situ Xingyun lächelte, ohne zu bestätigen oder zu dementieren.

Sie biss sich erneut auf die Unterlippe, ihre Finger ballten sich zu Fäusten, und fragte etwas nervös: „Junger Herr, Sie müssen doch viele schöne Frauen in Ihrem Haushalt haben, nicht wahr?“

In diesem Moment lachte Situ Xingyun laut auf. Er zog ein Stück weißen Jade aus seiner Kleidung und reichte es Yu Wuxia mit den Worten: „Wenn Wuxia einverstanden ist, kannst du dieses Stück weißen Jade in Zukunft mit in die Hauptstadt nehmen und mich dort aufsuchen.“ Seine Stimme wurde etwas leiser, und ein charmantes Lächeln huschte über Situ Xingyuns Lippen.

Er hatte keine Zeit, den weißen Jade in seiner Hand genauer zu betrachten. Der weiße Jade war kristallklar und von ausgezeichneter Qualität; in der unteren rechten Ecke war das Schriftzeichen für „Wolke“ in gleichmäßiger Schrift eingraviert.

Wuxia war überglücklich und vergaß völlig die Frage, die sie gerade gestellt hatte. Sie lächelte freundlich: „Okay.“

Situ Xingyun lächelte und sagte: „Miss Wuxia, es wird spät. Ich muss jetzt zurück. Auf Wiedersehen.“

Wuxia nickte etwas widerwillig: „Junger Meister Xingyun, auf Wiedersehen.“

Kurz nachdem Situ Xingyun gegangen war, lehnte Wuxia noch immer an der roten Säule und blickte in die Richtung, in die Situ Xingyun verschwunden war. Ein zartes Erröten stieg ihr in die Wangen, und ihre Augen leuchteten so hell, dass selbst die Sterne am Himmel dagegen verblassten.

"Wuxia, was schaust du dir so an?"

Qingyun ging leichtfüßig auf Wuxia zu und fragte.

„Schau … schau dir die Blumen an.“ Wuxia erwachte jäh aus ihren Gedanken und verstaute diskret den weißen Jadeanhänger. Aus irgendeinem Grund wollte sie Schwester Qingyun nichts von Jungmeister Xingyun erzählen.

Plötzlich bemerkte Wuxia, dass Qingyuns zehn Finger etwas gerötet und geschwollen waren. Überrascht fragte sie: „Schwester, was ist mit deinen Fingern passiert?“

Qingyun lächelte leicht, ihre Augen blitzten kurz auf, und sie versteckte unauffällig ihre Hand hinter dem Rücken und sagte: „Ich habe eben Zither gespielt und sie dabei versehentlich verkratzt.“

Wuxia verfiel sofort in tiefe Traurigkeit: „Oh nein! Mein Cousin Wuhen wird mich zu Tode hassen!“

Qingyun sagte, zugleich amüsiert und genervt: „Schon gut. Ich kümmere mich um Wuhen, Wuxia ist in Sicherheit.“

Wuxia war endlich erleichtert. Sie gähnte und sagte: „Schwester, ich bin heute sehr müde. Sollen wir zurückgehen?“

Qingyun nickte.

"Okay, lasst uns zurückgehen."

Im Sonnenlicht leuchtet der stille rote Korridor in einem tiefen Rotton, der inmitten der leuchtenden Blumen fast deplatziert wirkt. Eine ungewöhnliche Atmosphäre liegt in der Luft.

Qingyun drehte sich um, blickte in den stillen roten Korridor und ein Lächeln umspielte ihre Lippen. Doch im Nu war sie wieder die Alte, als wäre das Geschehene nur ein flüchtiger Augenblick gewesen.

Band Zwei: Das Schicksal, den Palast zu verlassen, eine gute Ehe kommt zustande und eine Prüfung 1

Seit seiner Rückkehr vom Blumentempel an jenem Tag hatte Jun Wuhen bemerkt, dass Qingyun und Wuxia beide etwas stiller geworden waren. Abgesehen vom Schreiben und dem Unterrichten von Wuxia im Zitherspiel verbrachte Qingyun ihre Tage damit, sich ganz dem Spiel hinzugeben. Wuxia hingegen starrte nach ihrem täglichen Zitherspiel einfach nur gedankenverloren in den azurblauen Himmel.

Wuhen war völlig verblüfft. Als er sie fragte, was im Blumentempel geschehen war, antworteten Qingyun und Wuxia wie aus einem Mund: „Nichts ist passiert.“

Jeder, der nicht dumm ist, kann leicht erkennen, dass an diesem Tag definitiv etwas zwischen den beiden vorgefallen ist!

Außerdem war Ziyi schon viele Jahre mit Qingyun zusammen, daher war es ihr unmöglich, die Veränderungen an ihr nicht zu bemerken. Sie beobachtete sie jedoch nur heimlich, und gelegentlich fiel ein Schatten auf ihr Herz.

Der Frühling ist allmählich vergangen, und der brütend heiße Sommer ist gekommen, ohne dass wir es überhaupt bemerkt haben. Die Zeit rast wie ein Pfeil, und Qingyuns Tage vergehen so ereignislos wie stilles Wasser.

Alles schien gewöhnlich, doch schien sich dahinter eine Strömung zu verbergen, die mit bloßem Auge nicht zu erkennen war, sei es am Kaiserhof, in der Welt der Kampfkünste oder im abgelegenen Palast.

Die Zikaden zirpten schwül in den Bäumen, und es herrschte Windstille. Selbst wenn Wind geweht hätte, wäre er warm gewesen und hätte die Menschen nur noch durstiger gemacht.

Wuxia hingegen, in ein hellrotes Kleid gekleidet, saß aufrecht vor der Zither, ihre Haltung korrekt und ihr Rücken gerade. Eine kühle Brise kam auf, und mit einer lässigen Handbewegung glitten ihre schlanken Hände über die Saiten und spielten mit überraschend geschicktem Anschlag.

Als das Lied zu Ende war, hatte er keine Zeit mehr, seine Hand zurückzuziehen. Er lächelte und sah Qingyun erwartungsvoll an.

⚙️
Lesestil

Schriftgröße

18

Seitenbreite

800
1000
1280

Lesethema

Kapitelübersicht ×
Kapitel 1 Kapitel 2 Kapitel 3 Kapitel 4 Kapitel 5 Kapitel 6 Kapitel 7 Kapitel 8 Kapitel 9 Kapitel 10 Kapitel 11 Kapitel 12 Kapitel 13 Kapitel 14 Kapitel 15 Kapitel 16 Kapitel 17 Kapitel 18 Kapitel 19 Kapitel 20 Kapitel 21 Kapitel 22 Kapitel 23 Kapitel 24 Kapitel 25 Kapitel 26 Kapitel 27 Kapitel 28 Kapitel 29 Kapitel 30 Kapitel 31 Kapitel 32 Kapitel 33 Kapitel 34 Kapitel 35 Kapitel 36 Kapitel 37 Kapitel 38 Kapitel 39 Kapitel 40 Kapitel 41 Kapitel 42 Kapitel 43 Kapitel 44 Kapitel 45 Kapitel 46 Kapitel 47 Kapitel 48 Kapitel 49 Kapitel 50 Kapitel 51 Kapitel 52 Kapitel 53 Kapitel 54 Kapitel 55 Kapitel 56 Kapitel 57 Kapitel 58 Kapitel 59 Kapitel 60 Kapitel 61 Kapitel 62 Kapitel 63 Kapitel 64 Kapitel 65 Kapitel 66 Kapitel 67 Kapitel 68 Kapitel 69 Kapitel 70 Kapitel 71 Kapitel 72 Kapitel 73 Kapitel 74 Kapitel 75 Kapitel 76 Kapitel 77 Kapitel 78 Kapitel 79 Kapitel 80 Kapitel 81 Kapitel 82 Kapitel 83 Kapitel 84 Kapitel 85 Kapitel 86 Kapitel 87 Kapitel 88 Kapitel 89 Kapitel 90 Kapitel 91 Kapitel 92 Kapitel 93 Kapitel 94 Kapitel 95 Kapitel 96 Kapitel 97 Kapitel 98 Kapitel 99 Kapitel 100 Kapitel 101 Kapitel 102 Kapitel 103 Kapitel 104 Kapitel 105 Kapitel 106 Kapitel 107 Kapitel 108 Kapitel 109 Kapitel 110 Kapitel 111 Kapitel 112 Kapitel 113 Kapitel 114 Kapitel 115 Kapitel 116 Kapitel 117 Kapitel 118 Kapitel 119 Kapitel 120 Kapitel 121 Kapitel 122 Kapitel 123 Kapitel 124 Kapitel 125 Kapitel 126 Kapitel 127 Kapitel 128 Kapitel 129 Kapitel 130 Kapitel 131 Kapitel 132 Kapitel 133 Kapitel 134 Kapitel 135 Kapitel 136 Kapitel 137 Kapitel 138 Kapitel 139 Kapitel 140 Kapitel 141 Kapitel 142 Kapitel 143 Kapitel 144 Kapitel 145 Kapitel 146 Kapitel 147 Kapitel 148 Kapitel 149 Kapitel 150 Kapitel 151 Kapitel 152 Kapitel 153 Kapitel 154 Kapitel 155 Kapitel 156 Kapitel 157 Kapitel 158 Kapitel 159 Kapitel 160 Kapitel 161 Kapitel 162 Kapitel 163 Kapitel 164 Kapitel 165 Kapitel 166 Kapitel 167 Kapitel 168 Kapitel 169 Kapitel 170 Kapitel 171 Kapitel 172 Kapitel 173 Kapitel 174 Kapitel 175 Kapitel 176 Kapitel 177 Kapitel 178 Kapitel 179 Kapitel 180 Kapitel 181 Kapitel 182 Kapitel 183 Kapitel 184 Kapitel 185 Kapitel 186 Kapitel 187 Kapitel 188 Kapitel 189 Kapitel 190 Kapitel 191 Kapitel 192 Kapitel 193 Kapitel 194 Kapitel 195 Kapitel 196 Kapitel 197 Kapitel 198 Kapitel 199 Kapitel 200 Kapitel 201 Kapitel 202 Kapitel 203 Kapitel 204 Kapitel 205 Kapitel 206 Kapitel 207 Kapitel 208 Kapitel 209 Kapitel 210 Kapitel 211